Hochwasser erschwert die Berichterstattung
Auch Journalisten mĂĽssen sich Notquartiere suchen.
Das Ausmaß der Flutkatastrophe in Sachsen lässt selbst krisenerprobten Journalisten den Atem stocken: In eilends bezogenen Notquartieren tippen sie ungläubig die sich überschlagenden Nachrichten eilig in die Laptops. Aus den überschwemmten Gebieten kommen fast minütlich neue Schreckensmeldungen und Gerüchte. Die in Dresden versammelten Medien kämpfen dabei nicht nur mit einer widersprüchlichen Nachrichtenlage, sondern auch mit Stromausfällen und überlasteten Telefonnetzen.
Auf der Flucht vor den Wassermassen fanden Medienvertreter in der Landeshauptstadt Unterschlupf in der vor dem Hochwasser noch sicheren Staatskanzlei. "Es ist selbstverständlich, dass wir unsere Türen hier aufgemacht haben, denn eine schnelle und sachgerechte Berichterstattung ist in einem solchen Ausnahmezustand unerlässlich", sagt Staatskanzleichef Stanislaw Tillich (CDU).
Als erstes Journalistenteam fand die Dresdner dpa-Crew im Regierungsviertel "Asyl". "Auf einmal war das Wasser da, wir konnten nur noch schnell die Stecker an den Computern ziehen und uns in Sicherheit bringen", sagt die Dresdner BĂĽroleiterin Petra Strutz. Zahlreiche Redaktionsstuben auf der linken Elbseite sind unter Wasser gesetzt.
Durch das Haus der Presse in der Ostra-Allee wälzte sich bereits in der ersten Katastrophennacht die braune Flut und beschädigte wichtige Technik. Seither wird die "Sächsische Zeitung" von einer kleinen Notfall-Mannschaft im rund 60 Kilometer entfernten Bautzen produziert. "Viele Kollegen arbeiten von zu Hause aus, sofern deren Wohnungen nicht auch unter Wasser stehen", berichtet ein Reporter.
Andere wiederum quartierten sich für die Berichterstattung eilends in Hotels in den noch sicheren Stadtteilen ein. "Ich weiß nicht, was aus meiner Wohnung geworden ist, mein Auto habe ich schon eingebüßt, und zum Geldabheben bin ich schon seit Tagen nicht gekommen", sagt eine übernächtigte Agenturjournalistin mit Galgenhumor.
Um von der Hochwasserkatastrophe zu berichten, haben Vertreter in- und ausländischer Medien inzwischen ihre Zelte in Dresden aufgeschlagen. Kamerateams unter anderem aus der Schweiz, Polen und Tschechien fangen die verheerenden Bilder aus den Katastrophengebieten ein. "Wir bekommen Anfragen aus dem Ausland, darunter von der BBC London, dem französischen Fernsehen, der New York Times und einer japanischen Zeitung", berichtet eine Mitarbeiterin der Staatskanzlei, die die versammelten Journalisten nicht nur mit Informationen, sondern auch mit Kaffee, Wasser und Handys versorgt.
"Man findet kaum noch Worte, um das Unbeschreibliche zu beschreiben", sagt ein Rundfunkjournalist resigniert unter dem nervenzehrenden, ununterbrochenen Geheul der Sirenen und dem Hubschrauberdröhnen. Unterdessen erhalten auch Journalisten immer wieder besorgte Anrufe von Angehörigen und aus ihren Zentralen. "Mir geht's gut, macht Euch keine Sorgen", lautet die knappe Antwort eines Korrespondenten am Telefon, bevor er zum nächsten Katastrophenort eilt. (Annett Markschat, dpa) / (mw)