SCM Microsystems schluckt Chipkarten-Spezialisten Towitoko
Das deutsch-amerikanische Unternehmen SCM Microsystems entdeckt das Potenzial des SmartCard-Marktes.
Der in Ottobrunn bei München beheimatete Hersteller von Kartenlesegeräten und SmartCard-Lösungen Towitoko wird eine hundertprozentige Tochter des deutsch-amerikanischen Unternehmens SCM Microsystems. Darauf haben sich die beiden Unternehmen verständigt. Bis Anfang Mai wollen die Anteilseigner die Verträge unter Dach und Fach haben, zum Ende des dritten Quartals soll dann die organisatorische Eingliederung in die SCM Microsystems GmbH in Ismaning vollzogen sein.
SCM ist mit Chip-, Hard- und Softwarelösungen in den vier Hauptmärkten Digitalfernsehen, Breitband-Empfang, PC-Security und digitale Medien tätig. Er unterhält Entwicklungs- und Supportzentren in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien und Japan sowie einen Produktionsstandort in Singapur. Die Europa-Zentrale befindet sich in Ismaning bei München. Mit der Akquisition will SCM -- Umsatz im Geschäftsjahr 2000: 158 Millionen US-Dollar -- eigenen Angaben zufolge insbesondere auf dem deutschsprachigen Markt den Kerngeschäftsbereich PC-Security stärken.
Die 1992 gegründete Towitoko electronics GmbH war vor zwei Jahren in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden, deren Anteile die Beteiligungsgesellschaften Infineon Ventures, AdVal und Compagnie de Rothschild sowie die beiden Gründer Tobias Wieler und Thomas Kohn halten (aus deren Initialen sich der japanisch klingende Firmenname ableitet). Das 40 Mitarbeiter zählende Unternehmen erzielte im Geschäftsjahr 2000 einen Umsatz von umgerechnet 9,5 Millionen Euro und ist auf Chipkarten-Anwendungen spezialisiert. Neben dem HBCI-Homebanking gehören dazu Zeiterfassungssysteme und Lösungen in den Bereichen Digitale Signatur, Network Security, Authentification Systems und Telekommunikation. Zu den Kunden auf dem überwiegend deutschsprachigen Markt zählen neben Siemens zahlreiche Banken und Sparkassen; direkt an Endkunden vertreibt Towitoko seine Produkte über große Handelsketten wie beispielsweise Conrad Electronics, Saturn oder Media-Markt.
"Towitoko wird als eigenständige Marke weiter bestehen", erklärte Towitoko-Vorstand Stefan Pfender gegenüber heise online. Als Gründe für die Aufgabe der Selbstständigkeit nennt er das rasante Wachstum des Unternehmens und die Entwicklung des weltweiten Marktes, auf dem man nur als Global Player auf Dauer bestehen könne, sowie das Bedürfnis nach einem starken Partner, um die Software-Entwicklungen durch eigene applikationsspezifische Chips (ASICs) abzusichern. "Wir hätten von unserer Seite keine eigene ASIC-Entwicklung anstoßen können."
SCM hatte mit den von europäischen Unternehmen dominierten Chipkarten bisher nicht viel im Sinn. "Das ändert sich jetzt rapide", meint Pfender; "das Thema digitale Signatur und Public/Private-Key-Infrastructure ist jetzt sehr, sehr populär." Ein Antrieb für die Entwicklung ist das EMV-Programm der Kartengesellschaften EuroCard, MasterCard und Visa, die ihre Kreditkarten zum Schutz vor Missbrauch bis 2005 von der Magnetstreifentechnik auf Chipkarten umstellen wollen. Der eingeschweißte Chip bietet sich in diesem Zusammenhang für Zusatzfunktionen wie beispielsweise Kundenbindungs-Programme, die Absicherung von Online-Einkäufen oder die elektronische Signatur an.
"Der amerikanische Markt", schätzt Pfender, "ist momentan der Teilmarkt, der am schnellsten wächst". So konnte SCM fast gleichzeitig mit den Übernahmeabsichten die Lieferung von 85.000 SmartCard-Lesern an die US Army bekannt geben. Im Rahmen des Common Access Card-Programms des US-Verteidigungsministeriums hatte das Unternehmen im November bereits 50.000 Lesegeräte ausgeliefert. (Richard Sietmann) / (jk)