debitel rechnet 2002 mit deutlich weniger Kunden

Etwa 30 Prozent der 1,2 Millionen Neukunden aus dem vierten Quartal 2000 telefonieren nicht mit ihrem debitel-Handy, vermutet das Unternehmen.

vorlesen Druckansicht 42 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.

Während die Konzernmutter Swisscom ihren Reingewinn deutlich steigern konnte, geht es der deutschen Tochter debitel eher mittelprächtig. Das netzunabhängige Telecom-Unternehmen rechnet in diesem Jahr mit deutlich weniger Kunden. Es gebe eine hohe Zahl von Handy-Besitzern mit vorausbezahltem Guthaben, die ihre Mobiltelefone Ende 2000 gekauft haben, zum Teil aber inzwischen nicht mehr benutzen. "Wir gehen davon aus, dass etwa 30 Prozent der 1,2 Millionen Neukunden aus dem vierten Quartal 2000 Nicht-Telefonierer sind", sagte Finanzvorstand Hermann Roemer am Dienstag bei der Bilanzvorlage in Stuttgart. Sie würden im laufenden Quartal nicht mehr gezählt.

Es sei außerdem schwierig, neue Kunden zu gewinnen, weil inzwischen 68 Prozent aller Deutschen ein Handy besitzen. Debitel-Vorstandschef Peter Wagner wollte daher für Umsatz und Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr auch keine genaue Prognose wagen. Er setze aber auf den steigenden Anteil von mobilen Internet-Diensten an den Handy-Ausgaben der Kunden. In Deutschland konnte debitel nach eigenen Angaben mit über sieben Millionen Mobilfunkteilnehmern den Anteil am relevanten Markt bei rund 14 Prozent halten. Insgesamt hat debitel zehn Millionen Kunden; im Jahr 2000 waren es noch 8,6 Millionen.

Im vergangenen Geschäftsjahr ging der Umsatz von 2,596 Milliarden Euro um drei Prozent auf 2,515 Milliarden Euro zurück, in Deutschland sogar um acht Prozent. Durch die niedrigeren Subventionen von Prepaid-Mobiltelefonen sei der Verkauf solcher Geräte rückläufig gewesen. Hier zu Lande haben 69 Prozent aller 7,6 Millionen debitel-Kunden keinen Vertrag, sondern zahlen im Voraus mit Karte. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) steigerte debitel 2001 um 18 Prozent auf 79 Millionen Euro. Der Zuwachs kam allein aus dem europäischen Geschäft, das inzwischen profitabel arbeitet. Der Jahresüberschuss lag bei 48 Millionen Euro, 8 Millionen Euro über dem Vorjahresergebnis.

Wagner forderte, dass die Netzbetreiber sich bei den neuen Diensten für das Herunterladen von Informationen oder zum Bestellen von Waren per Handy stärker auf einheitliche Standards einigen. "Ich hoffe, dass diese Erkenntnis im deutschen Markt noch reift", sagte der Manager. Davon hänge auch der Erfolg des künftigen schnellen Mobilfunkstandards UMTS ab. Die börsennotierte debitel AG hat bereits mit vier der sechs UMTS-Lizenzinhaber Vereinbarungen über eine Zusammenarbeit getroffen. Mit Akquisitionen von Unternehmen, die Inhalte für das mobile Internet anbieten, will Wagner sich erst noch gedulden.

Debitel beschäftigte zum Jahresende 3544 Mitarbeiter, 2140 davon in Deutschland. In diesem Jahr sollen 260 Arbeitsplätze unter anderem wegen der Zusammenlegung von Call-Centern verlagert werden. Für die nicht zum Umzug bereiten Beschäftigten sei ein Sozialplan vereinbart worden. Debitel hat nach T-Mobile und Vodafone die meisten Mobilfunk-Kunden in Deutschland. (anw)