Elektronische Bücher für Sehbehinderte

Mit Bookshare.org soll über das Prinzip der Tauschbörsen die größte Bibliothek für Blinde und Sehbehinderte im Internet entstehen.

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Von
  • Matthias Holtz
  • Natalia Pander

Mit Bookshare.org will das nicht-kommerzielle Unternehmen Benetech aus Palo Alto in Kalifornien die größte Bibliothek für Blinde und Sehbehinderte im Internet errichten. Schon jetzt, nur eine Woche nach dem Start, sind bereits über 8.000 Werke zum Download erhältlich. Diese können entweder in der Blindenschrift Braille gedruckt oder mit Hilfe von Sprachausgabe am Computer vorgelesen werden. In den Vereinigten Staaten sind bis jetzt nur rund drei Prozent aller Bücher in Braille oder als Audiokassetten erhältlich. Sehbehinderten bleibt bis jetzt nichts anderes übrig, als Bücher zu scannen und in eine für sie lesbare Form zu bringen. Zudem sind Audiotapes aktueller Werke häufig erst nach über einem Jahr von der Kongressbibliothek erhältlich.

Der eigentliche Clou der Online-Bibliothek ist aber, dass Buchbesitzer ihre Werke in digitaler Form, also eingescannt, an Bookshare spenden können. Für eine einmalige Gebühr von 25 US-Dollar und einen Jahresbeitrag von 50 US-Dollar haben Sehbehinderte dann Zugriff auf die Bücher. Nach eigenem Bekunden basiert die Idee von Benetech-CEO Jim Fruchtermann auf dem Napster-Prinzip. Im Gegensatz zu der umstrittenen Musik-Tauschbörse ist Bookshare aber legal, da seit 1996 eine Ergänzung des amerikanischen Copyright-Gesetzes die Reproduktion von Büchern für Sehbehinderte ausdrücklich zulässt, und das sogar ohne vorherige Einwilligung des Autors. Dies bedeutet aber gleichzeitig, dass Abonnenten ihre Sehbehinderung zum Beispiel in Form eines Attests nachweisen müssen. Darüber hinaus sind die Bücher verschlüsselt und mit digitalen Fingerprints versehen. Überwacht wird Bookshare.org von der Association of American Publishers, die sich am Aufbau des Angebots beteiligt haben. Bücher spenden kann hingegen jeder. Fruchtermann spekuliert bereits, dass Bookshare sich in einigen Jahren zur größten elektronischen Bibliothek weltweit entwickeln könnte. (Matthias Holtz, Natalia Pander) / (jk)