Kriegsspiele bei der US-Army: Low-Tech schlägt High-Tech

Ein Drei-Sterne-General beklagt sich ĂĽber Praktiken im Kriegsexperiment "Millennium Challenge 2002": Die US-Army habe geschummelt, damit die "Guten" mit ihrer High-Tech-AusrĂĽstung siegen.

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Von
  • Torge Löding

Die Mittagssonne brütet über dem Persischen Golf -- ein mächtiger Flottenverband der US-Marine nähert sich einem Küstenstaat. Die US-Amerikaner sind technisch überlegen, die Zerstörer, Kreuzer und Flugzeugträger erwarten keine ernsthafte Gegenwehr. Motoren starten -- von allen Seiten nähern sich kleine, flinke Boote und Flugzeuge; der Feind! Die überraschten Amerikaner verlieren einen Großteil ihrer ... "Stopp!" -- Per Knopfdruck brechen US-Offiziere das Szenario ab und -- "Refloat!" -- starten es neu. So ähnlich soll es beim Millennium Challenge 2002 des Pentagon zugegangen sein. Das berichtete der pensionierte Drei-Sterne-General Paul Van Riper dem Magazin Army Times.

Am 15. August war das dreiwöchige Spektakel zu Ende gegangen. 13.500 echte Soldaten waren in dem Super-Manöver an neun Schauplätzen übereinander hergefallen. Ergänzt wurden die wilden Scharmützel zwischen "Blauen" (die Guten) und "Roten" (die Bitterbösen) durch Gefechte auf 17 virtuellen Schlachtfeldern. Mit Millennium Challenge sollen angeblich neue Ideen und Waffen gefechtsfeldtauglich gemacht werden.

Van Riper war als Kommandant der "Roten" angeheuert worden -- seine Streitkräfte waren den "Blauen" in technischer Hinsicht weit unterlegen. Aber Low-Tech nahm es mit High-Tech auf: Die supersensiblen Abhörinstallationen, mit denen die "Blauen" seine Kommunikation ausspionieren wollten, überlistete er durch den Einsatz von motorisierten Kurieren.

Frustriert musste der Haudegen allerdings hinnehmen, dass seine Truppen den "Blauen" Vorteile einräumen sollten und taktische Tricks, die er durchführen wollte, nicht umgesetzt werden durften. "Wir mussten unsere Flugabwehr so bewegen, dass gegnerische Truppen erfolgreich landen konnten", sagte er dem Army-Blatt. Am Ende habe er das Handtuch geworfen und das Kommando abgegeben sowie das Pentagon vor dem Schluss gewarnt, die im Manöver von den "Blauen" eingesetzten Taktiken würden funktionieren.

Militärvertreter weisen diese Darstellung zurück. Marine-Kapitän John Carman sagte gegenüber US-Medien, dass ihm nicht bekannt sei, das Riper den Posten des Kommandeurs der "Roten" aufgegeben hätte. (tol)