Online-Fanclubs von der Stange

Die Bertelsmann-Tochter Digital World Services bietet Platten-Labels virtuelle Online-Fanclubs an: die Angebote zu Boyz II Men und Orange Blue sind schon am Start. Den Look und die Inhalte stellen die KĂĽnstler bereit, den Rest erledigt DWS.

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Von
  • Gerald Himmelein

Da mag man noch so oft den tiefen Fall der Popmusik beschwören: Jede Band hat ihre Fans, und diese würden einiges geben, um ihren Idolen etwas näher zu kommen. Im Internet-Zeitalter liegt es nahe, Online-Fanclubs anzubieten, die für eine Mitgliedsgebühr exklusive Goodies anbieten: Chats mit den Stars, Musik und Videos. Die Bertelsmann-Tochter Digital World Services bietet seit einigen Wochen die Plattform "BeFANattic" für Online-Fanclubs an: Die Künstler stellen den Look und die Inhalte bereit, um die technischen Details kümmert sich DWS.

Seit dem 12. August hat die US-Gruppe "Boyz II Men" einen ĂĽber BeFANattic bereitgestellten Mitgliedsbereich online. Der Fanclub kostet 15 US-Dollars fĂĽr sechs Monate, 25 fĂĽr ein ganzes Jahr und bietet Videos, per Digital Rights Management geschĂĽtzte Musik-Downloads und Chats mit den Musikern -- allerdings derzeit nur fĂĽr US-Amerikaner. In Deutschland tritt BeFANattic zum ersten Mal mit einer "FanZone" fĂĽr das deutsche Duo Orange Blue auf. Der am vergangenen Montag erschienen CD-Single "Forever" liegt eine Zugangs-PIN bei, die den Fanclub fĂĽr drei Monate freischaltet -- danach kostet die Mitgliedschaft pro Quartal 4 Euro. Auch hier werden Interessierte mit Bildern, Videos und DRM-geschĂĽtzten Audio-Tracks im WMA-Format bedient.

Daft Punk hatte im vergangenen Jahr ein ähnliches Projekt versucht und ihrer CD "Discovery" eine scheckkartengroße Mitgliedskarte zum Daft Club beigelegt. Wer sich zum Club anmeldete, bekam Zugriff auf DRM-geschützte Remixe und Videos. Daft Club arbeitete mit dem DRM-System von InterTrust, das aber nur für Windows zur Verfügung stand. Nach einigen Monaten besann sich das französische Techno-Duo um und stellte die Dateien als reine MP3s ohne DRM-Beschränkungen online. Meinolf Meyer, Executive Vice President bei DWS, will darin aber kein grundsätzliches Problem bei der Akzeptanz DRM-geschützter Musikinhalte erkennen: "Da ist offenbar was schief gelaufen, das müssen wir halt besser machen."

Aber Boyz II Men haben mit BeFANattic auch schon erste Rückschläge erleben müssen: Ein Chat mit den Musikern musste aufgrund technischer Probleme kurzfristig abgesagt werden -- ein neuer Termin steht noch nicht in Aussicht.

Die Motivation für BeFANattic erklärt Meyer mit dem Interesse der Labels, die Kostenstelle Fanclub rentabel zu machen. "Millionenbeträge werden damit sicher nicht gemacht, aber wenn sich der Fanclub selbst trägt, ist ein besseres Angebot möglich." Zudem biete das Fanclub-Outsourcing eine gute Möglichkeit zur Demonstration der technischen Möglichkeiten. Meyer: "Für uns ist es interessant zu zeigen, wie Digital Rights Management und die Übertragung von Audio und Video so funktionieren." BeFANattic ist "DRM-neutral" angelegt -- das Label kann zwischen verschiedenen Alternativen wählen, darunter auch eine Java-basierte Lösung, die auch auf Mobilgeräten und Linux-Settop-Boxen funktionieren soll. Bei den bisherigen Angeboten kommt allerdings nur das von Microsoft in den Windows Media Player integrierte DRM-System zum Einsatz. In den nächsten Monaten wollen Arista und Edel Music sechs bis acht weitere Interpreten mit BeFANattic-Clubs ausstatten. (ghi)