Bitkom fordert mehr Geld fĂĽr Softwaretechnik
Forschungsministerin Edelgard Bulmahn und Bitkom-Vizepräsident Jörg Menno Harms stellten heute gemeinsam das Förderprogramm "IT-Forschung" 2006 vor.
Die Informations- und Kommunikationswirtschaft hat sich innerhalb weniger Jahre zum größten Wirtschaftssektor entwickelt: Im vergangenen Jahr setzte sie mit 822.000 Beschäftigten 138 Milliarden Euro um, "das ist deutlich mehr als im Automobilsektor" -- dennoch sieht Jörg Menno Harms, Vizepräsident des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien (Bitkom), "das Potenzial der Branche nicht hinreichend ausgeschöpft". Ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt betrage zurzeit 6,8 Prozent. Damit liegt Deutschland in der EU auf dem vorletzten Platz.
"Es geht wieder aufwärts", übte sich Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn jedoch heute in Berlin bei der Präsentation des neuen BMBF-Förderprogramms zur Informations- und Kommunikationstechnik IT-Forschung 2006 in Zuversicht; gerade jetzt käme es darauf an, die Weichen in der IT-Forschungsförderung richtig zu stellen. "Wir wollen mit diesem Programm verlorene Marktanteile wieder zurückerobern."
Insgesamt 1,45 Milliarden Euro wird das BMBF in den Jahren 2002 bis 2006 für die Förderung von Projekten zur Verfügung stellen. Noch einmal 1,52 Milliarden Euro fließen im selben Zeitraum als institutionelle IT-Förderung zur Sicherung von Stellen und Grundausstattung in die Haushalte der außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Der größte Teil der Mittel konzentriert sich auf die vier Schwerpunktbereiche "Nanoelektronik und Systeme", "Softwaresysteme", "Basistechnologien für die Kommunikationstechnik" sowie "Internet -- Grundlagen und Dienste".
Harms begrüßte, dass die Industrie bei der Konzeption des Programmes von Beginn an mit einbezogen wurde: "Eine solche strategische öffentliche Forschungsförderung ist dringend nötig." Besonders erfreulich sei der Ansatz eines "lernenden Programms", das die Möglichkeit eröffne, noch während der Laufzeit die Schwerpunkte zu verlagern, denn dies komme den extrem kurzen Innovationszyklen in diesem Bereich entgegen.
Zugleich machte er aber auch deutlich, wo der Verband Möglichkeiten zur Nachbesserung sieht. "Die eigentliche Softwareforschung sollte künftig noch stärker in den Vordergrund gerückt werden." Bisher seien lediglich 19 Prozent der Mittel für Softwareforschung vorgesehen, gegenüber 27 Prozent für Nanoelektronik und 20 Prozent für die Mikrosystemtechnik. "Software ist eine Querschnittstechnologie und treibt Innovationen auch außerhalb der eigentlichen IT-Branche", betonte Harms.
Edelgard Bulmahn kündigte im Rahmen von IT-Forschung 2006 ein Sonderprogramm zum Software Engineering an, das "in wenigen Wochen" besonders die Forschungs- und Entwicklungsbelange kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMUs) adressieren werde. Denn von den etwa 20.000 im Bereich der Softwaretechnologie tätigen Unternehmen in Deutschland seien 98 Prozent KMUs, aber ihr Anteil an der FuE-Förderung läge bisher nur bei 16 Prozent.
Etwas überraschend bemängelte der Bitkom-Vize auch die Aufteilung der Mittel zwischen Grundlagen- und angewandter Forschung. So geht mit 810 Millionen Euro mehr als die Hälfte der institutionellen IT-Förderung an die anwendungsorientierten Vertragsforschungsinstitute der Fraunhofer-Gesellschaft. "Der Anteil der Fördermittel der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), aus denen viele Hochschulinstitute ihre Grundlagenprojekte finanzieren", erklärte Harms in Berlin, "erscheint verglichen mit dem Anteil der Fraunhofer-Gesellschaft recht gering". In dem neuen Programm sind bis 2006 für die DFG 140 Millionen Euro und für die MPG 40 Millionen Euro als institutionelle Förderung vorgesehen.
Mehr zum Thema in der aktuellen c't 5/02: Interview mit BMBF-Staatssekretär Uwe Thomas über IT-Förderung in Deutschland. (Richard Sietmann) / (anw)