Virtuelle Neandertaler

Neandertaler aus dem Computer sind keine Spielerei: Die RĂĽckkehr der Urmenschen im Computer ist wissenschaftlich und politisch anregend.

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Von
  • JĂĽrgen Kuri

Neandertaler aus dem Computer sind keine Spielerei. An der Universität Zürich werden Knochenfunde im Computertomographen gescannt; auf Grund der Messwerte werden sodann dreidimensionale Computermodelle von Neandertalern angefertigt, aus denen die Wissenschaft weitreichende Schlüsse zieht. Mittels Rapid Prototyping wie im industriellen Modellbau werden die Computermodelle auch in reale Objekte aus Kunstharz umgesetzt. Auch am anthropologischen Institut der Universität Wien ebenso wie inzwischen an einigen US-Unis werden ähnliche Verfahren eingesetzt.

Diese "computergestützte Paläoanthropologie" ist mittlerweile zu einer anerkannten Wissenschaft geworden. Selbst die Hüter der kostbarsten Knochensammlungen wie zum Beispiel Chris Stringer vom Naturhistorischen Museum in London leihen ihre Schachteln mit den Überresten gerne an die Züricher aus. Nach einem Bericht in der heutigen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) reagieren Menschen auf diese Rekonstruktion meist so, dass sie in den wiederbelebten Steinzeitmenschen Freunde und Bekannte wiederzuerkennen meinen. Zu solchen Begegnungen dürfte es schon vor etwa 40.000 Jahren gekommen sein: Damals lebten Homo sapiens und der Neandertaler jahrtausendelang in denselben geographischen Räumen. Wie denn der Homo sapiens die Neandertaler wohl aus der Weltgeschichte geworfen habe, fragt die FAS in ihrem Artikel und gibt selbst eine Antwort: "Wir wissen es nicht, aber wir ahnen es." (jk)