Welt am Computer spielen
Ein Projekt des Fraunhofer Instituts für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik will neben ökologischen und wirtschaftlichen auch die sozialen Komponenten der Welt in wissenschaftlichen Modellen berücksichtigen.
Was passiert, wenn der Liter Benzin drei Euro kosten würde? Was würde der Bau einer neuen Chemiefabrik für eine Stadt bedeuten? Solche Fragen will die "M3 Interaktive Umweltsimulation" des Fraunhofer Instituts für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik (FIRST) klären. Sie simuliert Umwelt-Entwicklungen und integriert dabei einen bedeutenden, aber unberechenbaren Faktor -- den Menschen. Die Forscher machen sich die Lust des Menschen am Spiel zu Nutze. "Wir spielen Welt am Computer", erklärt Projektleiter Helge Rose am Montag beim Bremer Wissenschaftssommer.
Ziel des Projekts ist es nach Roses Angaben, neben ökologischen und wirtschaftlichen auch die sozialen Komponenten der Welt in wissenschaftlichen Modellen zu berücksichtigen. "Diesen Ansatz verfolgt auch der derzeit laufende Umweltgipfel in Johannesburg", sagte Rose. Auf dem vergangenen Treffen im japanischen Kyoto hätten sich die Teilnehmer vor allem ökologischen Aspekten gewidmet.
In dem mit wissenschaftlichen Daten gefütterten Internetspiel agieren die Spieler mit einer virtuellen dreidimensionalen Figur (Avatar). Der Spieler spaziert zum Beispiel über den Berliner Alexanderplatz und zieht sich eine Fahrkarte, um zum Fußballplatz zu fahren. Auf dem Weg trifft er Freunde und macht einen Abstecher zum Kaffee trinken. Was auf der Straße noch gesprochen wird, können Umherstehende wie in einem Internet-Chat am Bildschirm verfolgen. Im Café geht es dann persönlicher zu und nur die Freunde in der Runde lauschen mit.
Fährt der Spieler zur Arbeit, rechnet der Computer aus, wie viel Schadstoffe das Auto auf der Strecke in die Luft abgibt und wie viel der Passant an der Straßenecke davon einatmet. Die Spieler können auch in die Rolle eines Bauern schlüpfen und sehen, welche Auswirkungen der Weizenanbau auf das nahe gelegene Gewässer hat.
Je mehr Menschen mitmachten, um so übertragbarer seien die Ergebnisse auf die reale Welt, meint Rose. Die Umweltsimulation soll Wissenschaftler, Bürger, Politiker, Stadtplaner und Unternehmern zeigen, welche Konsequenzen ihr Tun auf Luft, Wasser, Wald und Wetter hat. "Heute gut leben, ohne das Morgen zu gefährden. Das ist für mich nachhaltige Entwicklung", sagte der Computerexperte.
Die Computersimulation befindet sich noch im Aufbau. Ende des Jahres will Rose online gehen. DarĂĽber hinaus hofft der Projektleiter durch Kooperationen, mit Spieleherstellern und der Open-Source-Gemeinde das Projekt finanziell zu sichern. (Miriam Tang, dpa) / (anw)