Erhalt von DeTeWe-Werk in Hoppegarten ungewiss
Nach der Übernahme der DeTeWe-Produktionsgesellschaft durch Vogt electronic müssen die Beschäftigten weiter um den Erhalt des Produktionsstandortes Berlin bangen.
Nach dem Verkauf des DeTeWe-Werkes in Hoppegarten bei Berlin müssen die 355 Beschäftigten weiter um den Erhalt des Produktionsstandortes bangen. Der neue Eigentümer, die bayerische Vogt electronic AG (Erlau), zeigte sich am Montag skeptisch über einen Weiterbetrieb. Schon die vom bisherigen Gesellschafter DeTeWe eingeleiteten Maßnahmen hätten nicht den erhofften Erfolg gebracht. Wichtig sei eine wettbewerbsfähige Produktion an dem erst 1993 eröffneten Standort, sagte Vogt-electronic-Chef Reinhard Schülein. "Wenn es aber Konzepte gibt, die ein Überleben ermöglichen, werden wir es versuchen."
Die DeTeWe Produktionsgesellschaft mbH wird mit Wirkung vom 1. Juni dieses Jahres von der Vogt electronic Witten GmbH komplett übernommen. DeTeWe-Chef Christian Brunke begründete den seit längerem erwarteten Verkauf mit den Überkapazitäten sowie den seit Jahren in Hoppegarten aufgelaufenen Verlusten. Seit 1993 hätten sich an dem Standort Verluste in Höhe von 89 Millionen Euro summiert. Pro Mitarbeiter hätte das Minus in diesem Jahr rund 46.200 Euro betragen. Zwar sei die Lieferleistung pro Kopf "signifikant gestiegen". In der Branche und bei Vogt sei sie jedoch besser. "Wir mussten etwas tun und sahen keine Alternative", sagte Brunke.
Mit dem Verkauf zieht sich die mehrheitlich zur Röchling-Gruppe gehörende DeTeWe AG & Co. aus der Eigenproduktion gänzlich zurück und konzentriert sich künftig auf Entwicklung, Marketing und Vertrieb von Telekommunikationstechnik. Vogt electronic übernimmt im laufenden Jahr ein Fertigungsvolumen von etwa 40 Millionen Euro und in den beiden Folgejahren jeweils 80 Millionen Euro. Angaben zum Kaufpreis wurden nicht gemacht. Eben so wenig wollten sich beide Unternehmen über die Kosten bei einem möglichen Stellenabbau äußern. Der Betriebsrat in Hoppegarten befürchtet, dass Vogt electronic nur an den Aufträgen interessiert ist und das Werk noch 2002 schließt. Dazu sagte Schülein, er wisse nicht, woher der Betriebsrat diese Informationen habe. Zunächst müsse das Werk durchleuchtet werden.
DeTeWe erwartet bereits im laufenden Jahr eine Entlastung beim Ergebnis. Im ersten Quartal 2002 sei ein leichtes Plus erzielt worden, Auftragseingang und Umsatz seien gestiegen. Man strebe für das Gesamtjahr nach wie vor ein "leichtes Plus" beim Ergebnis an. Im vergangenen Jahr rutschte die DeTeWe-Gruppe mit 2685 Beschäftigten und einem Umsatz von 422 Millionen Euro in die Verlustzone und kündigte im Rahmen eines Stabilisierungsprogramms Personalabbau und Umstrukturierungen an. Es sei nicht auszuschließen, dass es noch "an ein oder anderer Stelle" Bereinigungen geben werde, sagte Brunke.
Die börsennotierte Vogt electronic AG produziert Bauelemente, Leiterplatten, Baugruppen und Systeme für die Elektroindustrie. Im Geschäftsjahr 2000/2001 setzte das Unternehmen mit 5300 Mitarbeitern 716 Millionen Euro um. (dpa) / (jk)