Mobilfunk und Gesundheit -- die Angst vor dem Unbekannten

Zehntausende Mobilfunk-Basisstationen stehen in Deutschland. Mit Einführung des neuen Standards UMTS wird sich die Zahl der Sendeanlagen in den kommenden Jahren weiter erhöhen.

vorlesen Druckansicht 475 Kommentare lesen
Lesezeit: 5 Min.
Von
  • Sven Appel
  • dpa

Es ist die Angst vor dem Unbekannten, die viele Bürger vor Mobilfunkantennen hegen. Zehntausende Mobilfunk-Basisstationen stehen in Deutschland. Mit Einführung des neuen Standards UMTS wird sich die Zahl der Sendeanlagen in den kommenden Jahren weiter erhöhen. Manche Menschen zeigen sich darüber besorgt: "Von den Bürgern, die uns anrufen, wissen viele jedoch nur wenig über Mobilfunk", sagt Susanne Satzer-Spree, Pressesprecherin bei Vodafone D2 in Düsseldorf.

Daran seien die Mobilfunkanbieter allerdings selbst schuld, sagt Bernd Rainer Möller, Mobilfunkexperte des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND). Die Unternehmen hätten in der Vergangenheit zu wenig informiert. "Die Betroffenen leiden oft unter nicht näher bestimmbaren Ängsten", sagt der Messtechniker aus Laage (Mecklenburg-Vorpommern). Die meisten beklagen sich über Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen.

Bei Vodafone D2 hat man Susanne Satzer-Spree zufolge aber auch Fälle beobachtet, in denen Beschwerden im Zusammenhang mit Sendeanlagen auftraten, die zwar aufgestellt, aber noch nicht im Betrieb waren. Um den dahinter stehenden Befürchtungen der betroffenen Bürger zu begegnen, klären Mobilfunkanbieter wie Vodafone D2 und T-Mobile jetzt verstärkt auf. Außerdem berate man sich vor dem Aufbau jeder Anlage mit den Gemeinden.

Laut Susanne Satzer-Spree gibt es keinen Grund, sich wegen des Mobilfunks Sorgen um die Gesundheit zu machen, so lange die dadurch verursachten hochfrequenten elektromagnetischen Felder innerhalb der gesetzlichen Grenzen liegen. Die Mobilfunkanbieter stützen sich dabei unter anderem auf die Strahlenschutzkommission (SSK) in Bonn. Im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) hat sich die SSK im vergangenen Jahr mit der Auswertung bisheriger Studien über die Auswirkungen elektromagnetischer Felder auf die Gesundheit befasst. Demnach kann die Aufnahme von Energie aus elektromagnetischen Feldern mit Frequenzen zwischen 100 Megahertz und 300 Gigahertz zwar zu einer nicht unerheblichen Erwärmung des Körpergewebes sowie zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Allerdings liege die Schwelle für diese Schädigungen selbst bei empfindlichsten Gewebeteilen bei mehr als vier Watt pro Kilogramm Körpergewicht (W/kg).

Mit diesem so genannten SAR-Wert wird die spezifische Absorptionsrate bezeichnet und angegeben, wie viel Energie das menschliche Gewebe zum Beispiel durch die Strahlung eines Handys aufnimmt. Der SAR-Wert für Handys darf in Deutschland derzeit für einzelne Körperteile höchstens 2 W/kg betragen, für den ganzen Körper gelten 0,08 W/kg als Grenzwert. Die von den Basisstationen gesendeten Mikrowellen seien um den Faktor 1000 bis 10.000 schwächer als die eines Handys, so das Ökoinstitut in Darmstadt in einer Studie über die gesundheitlichen Auswirkungen der Mikrowellen von Mobilfunkanlagen im D-Netz.

Selbst wenn Handys bei voller Auslastung einen SAR-Wert von 2 W/kg erreichen, arbeiten sie mit dieser Leistung in der Regel nur für einen kurzen Zeitraum. "Ist die Verbindung zur nächsten Basisstation hergestellt, wird die Sendestärke automatisch auf ein möglichst niedriges Niveau heruntergeregelt", erklärt Ulrich Stäß, Leiter der Netzentwicklung bei T-Mobile in der Niederlassung Hamburg. Der Bau zusätzlicher Basisstationen verringere die Belastung pro Gespräch ebenfalls: "Je weiter das Handy von der nächsten Basisstation entfernt ist, desto stärker die notwendige Sendeleistung."

Mobilfunksignale sind künstlich und stellen eine zusätzliche Belastung dar, sagt dagegen Bernd Rainer Möller vom BUND. Allein deshalb müssten sie möglichst vermieden werden. Unbegründet scheinen zumindest die Befürchtungen in Sachen Schlaflosigkeit nicht zu sein: Eine Untersuchung von Bewohnern des Schweizer Ortes Schwarzenburg hat der SSK zufolge Hinweise darauf gegeben, dass Personen, die näher an einem Kurzwellensender wohnten, stärker unter Schlafproblemen litten als andere. Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Antenne und Schlaflosigkeit lasse sich mit der so genannten Schwarzenburg-Studie jedoch nicht beweisen. Dazu seien weitere Untersuchungen nötig, so die SSK.

Krebs können Mobilfunkantennen direkt nicht auslösen. Dafür sei die Energie hochfrequenter elektromagnetischer Felder zu gering, meint zumindest die SSK. Die bisherigen Studien zeichneten jedoch ein uneinheitliches Bild, wenn es darum geht, ob Mobilfunkstationen oder Handys Krebs indirekt begünstigen. Zwar habe die Kommission in den untersuchten Studien keine Hinweise auf ein erhöhtes Risko erkannt, durch Handynutzung an einem Hirntumor zu erkranken. Dennoch werden im Bereich Tumorbildung weitere Studien empfohlen. Auch das Ökoinstitut Darmstadt rät, in einigen Bereichen weiter zu forschen, weil die bisherigen Untersuchungen schlicht nicht aussagekräftig genug seien. Genauere Informationen erwarten die Experten von einer multinationalen Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO. Die Ergebnisse werden jedoch nicht vor 2004 vorliegen.

Bis dahin gibt es dem Ökoinstitut zufolge keinen Anlass, die geltenden Grenzwerte zu verändern. Wer dennoch besorgt ist, weil in der Nähe eine Mobilfunkantenne steht oder aufgebaut werden soll, kann sich BUND-Experte Möller zufolge an die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) in Bonn oder an ein für die Gemeinde zuständiges Umweltamt wenden: "Die sind zu Auskünften verpflichtet." (Sven Appel, dpa) / (jk)