Nur eine Minderheit nutzt Call-by-Call-Angebote

Preiswerte Telefonate mit Vorwahlnummern von Telekom-Wettbewerbern kommen laut einer Umfrage nur fĂĽr eine Minderheit der BundesbĂĽrger in Frage.

vorlesen Druckansicht 89 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.
Von
  • dpa

Preiswerte Telefonate mit Vorwahlnummern von Telekom-Wettbewerbern kommen nur fĂĽr eine Minderheit der BundesbĂĽrger in Frage. Dies ergab eine Umfrage des Forschungsinstitutes polis im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Danach nutzen 56 Prozent der Befragten niemals diese so genannten Call-by-Call-Angebote, bei denen oftmals preiswerter als zu den Telekom-Tarifen telefoniert werden kann. Lediglich 21 Prozent gaben an, sie nutzten regelmäßig diese Offerten der Telekom-Konkurrenz, 22 Prozent lediglich "ab und zu".

Die Umfrage bestätigt Erfahrungen aus der Branche, nach der viele Kunden wenig Wechselbereitschaft zeigen, obwohl sie dabei sparen könnten. "Deutlich über die Hälfte der Bundesbürger telefoniert mit der Telekom deutlich zu teuer", sagte der Geschäftsführer des Verbandes der Telekomkonkurrenten VATM, Jürgen Grützner. "Für die ist Call-by-Call eine gute Variante. Die Leute müssen nichts tun, als fünf Ziffern zu tippen." Ende 2000 telefonierten demnach fast 77 Prozent aller Kunden der Telekom-Konkurrenten mit Call-by-Call-Diensten. Der Anteil sank den Angaben zufolge 2001 auf 51 Prozent.

Nach Grützners Darstellung geht der Trend unterdessen zum so genannten Preselection-Verfahren, bei dem der Kunde seine Telefonverbindung dauerhaft auf einen bestimmten Anbieter einstellt. "Es gibt deutlich mehr Kunden, die aus ihren Call-by-Call-Erfahrungen einen Anbieter ausgesucht haben und sich für Preselection entscheiden", sagte Grützner. Der Sprecher der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, Harald Dörr, bestätigte den Trend von den Call-by-Call-Anbietern zu Preselection. "Call-by-Call ist aber immer noch ein dominierender Markt. Wir gehen von rund 90 Anbietern für Call-by-Call und Preselection aus."

"Bei Privatkunden rechnet es sich immer, fallweise verschiedene Call-by-Call-Dienste zu versuchen", sagte der Präsident des Deutschen Verbandes für Telekommunikation und Post, Manfred Herresthal, in einem dpa-Gespräch. Für Geschäftskunden sei dagegen Preselection günstiger.

Zwar sei die Zeit der Riesenspannen zwischen den Preisen der einzelnen Anbieter vorbei, dennoch bleibe Call-by-Call interessant, sagte Herresthal. "Der Markt ist wegen des Ausscheidens etlicher Anbieter übersichtlicher geworden. Ob es unter dem Strich auch günstiger geworden ist, möchte ich aber bezweifeln." Immerhin gebe es noch Differenzen von 20 bis 30 Prozent zwischen den einzelnen Tarifen. Anders bei Geschäftskunden: "Wir haben Geschäftskunden von Anfang an Preselection empfohlen, weil sie auf keinen Fall zu Standardkonditionen telefonieren sollten", erklärte Herresthal. Je nach Gesprächsvolumen gewährten die Anbieter Rabatte: "Diese Tarife sind in der Regel günstiger als Call-by-Call-Dienste."

Unter den Verbrauchern hängt die Neigung, Telefongespräche mit anderen Anbietern als dem einstigen Monopolisten Telekom zu führen, offenbar vor allem mit dem Bildungsniveau zusammen. So gaben nur 15 Prozent der Hauptschulabsolventen an, sie telefonierten regelmäßig call by call - 63 Prozent von ihnen wählen niemals eine "Spar-Vorwahl". Unter den Befragten mit Abitur oder Studium waren es mit 28 Prozent fast doppelt so viele, die "call-by-call nutzen". Dementsprechend verzichten in dieser Gruppe auch nur 49 Prozent ganz auf die Angebote der Telekom-Konkurrenz.

Für die repräsentative Erhebung befragte die Gesellschaft für Politik- und Sozialforschung (polis) vom 26. bis 28. Februar 1008 Menschen ab 14 Jahren. (dpa) / (anw)