Intelligente Kleidung hilft Ärzten und Technikern
Als Zukunftsvision geistert die Vorstellung schon lange herum - am Technologie-Zentrum Informatik und Informationstechnik der Universität Bremen entwickelte man im weltweit größten Forschungsprojekt intelligente Kleidung.
- dpa
Wartungstechniker haben immer den passenden Bauplan parat und dennoch beide Hände frei. Ärzte erledigen zeitraubenden Schreibkram schon während der Visite – dank Computern, die in ihrer Kleidung integriert sind. Als Zukunftsvision und als eher erfolgloses Geschäftsmodell des "wearable computers" geistert die Vorstellung schon lange herum. Am Technologie-Zentrum Informatik und Informationstechnik der Universität Bremen jedoch entwickelten Wissenschaftler in den vergangenen fünf Jahren im eigenen Angaben nach weltweit größten Forschungsprojekt dieser Art intelligente Kleidung für den Automobil- und Flugzeugbau, die Feuerwehr und fürs Krankenhaus.
"Wir wollten, dass Arbeiter den Computer nutzen können, ohne dafür die Arbeit unterbrechen zu müssen", sagte Michael Lawo vom Technologie-Zentrum.  Auf den ersten Blick sieht die intelligente Kleidung für Monteure wie eine ganz normale Arbeitsweste aus. Doch in der Brusttasche verbirgt sich Lawo zufolge ein kleiner Computer. An einer Brille ist ein Minibildschirm befestigt. Gesteuert wird das System mit einem speziellen Datenhandschuh. Der Techniker kann so drahtlos auf den Firmen-Server zugreifen und beispielsweise Baupläne abrufen.
Der Arztkittel arbeitet dagegen über Sensoren, die sich in seinem Ärmel befinden. Der Mediziner könne das System dadurch mit einer Armbewegung steuern, erklärte Lawo. Patient und Arzt tragen zudem dünne Datenarmbänder, die auf Abruf alle Informationen auf den Bildschirm neben dem Krankenbett übertragen. Neue Einträge in die Patientenakte kann der Arzt während der Visite direkt per Spracherkennung aufnehmen. "So fallen zwei Stunden für die tägliche Nachbereitung weg", sagte Lawo. In einem österreichischen Krankenhaus sei die Technik bereits erfolgreich im Einsatz.
Mitdenken und Fehler melden könne die intelligente Kleidung allerdings nicht, räumte Lawo ein. Auch der Umgang mit der neuen Technik sei zunächst eine Umstellung. "Wir haben bei der Konstruktion aber vor allem darauf geachtet, dass die Geräte einfach zu bedienen sind", erläuterte Lawo. Daher hätten die Wissenschaftler bewusst keine neuen Technologien entwickelt, sondern auf Altbewährtes zurückgegriffen. "Wir haben schlicht den Computer auseinandergenommen, um dann seine Einzelteile am Körper zu befestigen." (dpa) / (jk)