ComRoad: Schwerster Betrugsfall seit Bestehen des Neuen Markts

98,6 Prozent vom gemeldeten Umsatz aus dem abgelaufenen Geschäftsjahr des Telematik-Anbieters haben sich als Scheingeschäfte entpuppt.

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Von
  • Uwe Vogel

Der Skandal um den Unterschleißheimer Telematik-Anbieter ComRoad AG spitzt sich zu. Lediglich 1,4 Prozent der Mitte Januar gemeldeten 93,6 Millionen Euro Umsatz sind einer Sonderprüfung zufolge wirklich getätigt worden. In den Ermittlungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rödl & Partner GmbH kam zu Tage, dass angebliche Vertragspartner entweder gar nicht oder im Prüfungszeitraum 2001 nicht mehr existierten.

Laut Sonderbericht von Rödl & Partner hat ComRoad 90,3 Millionen Umsatzerlöse über die VT Electronics Ltd in Hongkong abgewickelt. Es ließen sich jedoch keinerlei Hinweise dafür ermitteln, dass es das Unternehmen gebe, noch dass es je existiert habe. Zudem wurden GTTS-Partner (Global Transport Telematik Systems, ein von ComRoad entwickelter Telematik-Standard) 3,2 Millionen Euro direkt in Rechnung gestellt. Angebliche Umsätze in Höhe von 67,1 Millionen Euro seien definitiv nicht erbracht worden, ergaben die Ermittlungen. Weitere Geschäfte über insgesamt 25,1 Millionen Euro konnten wegen fehlender beziehungsweise nicht nachweisbarer Ansprechpartner nicht bestätigt werden. Bleibt ein schmaler Rest von 0,1 Millionen, die ComRoad in Deutschland erzielt hat. Die Sonderprüfung soll nun auch auf den Zeitraum 1998 bis 2000 ausgeweitet werden.

Aufgrund der schlechten Entwicklung des Unternehmens drohen deren Beteiligungsgesellschaften nun die Insolvenz. Bei einigen sei sie schon eingetreten, teilte ComRoad heute mit. Außerdem sei die Ehefrau des abberufenen Vorstandsvorsitzenden Bodo Schnabel, der seit Ende März in Untersuchungshaft sitzt, aus dem Aufsichtsrat entlassen worden. Am Neuen Markt spricht man bereits von dem größten Betrugsfall seit Bestehen der deutschen Technologiebörse. (uvo)