Auch Briten wollen WLAN-Hotspots

Bis 2006 sollen 20 Millionen Europäer per PDA und Laptop an Hotspots in Hotels und Flughäfen drahtlos surfen können; die Briten bleiben allerdings noch außen vor.

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Von
  • Peter-Michael Ziegler

Bis zu 20 Millionen Europäer sollen bis zum Jahr 2006 mit ihren PDAs und Laptops an so genannten Hotspots in Hotel-Lobbys, Flughäfen, Restaurants oder Geschäften drahtlos surfen und Daten transferieren können. So lauten zumindest die einhelligen Schätzungen von Marktforschern. Und täglich schießen neue Hotspots, diese kleinsten Funknetzzellen rund um einen WLAN-Access-Point, auf dem europäischen Kontinent aus dem Boden. Auf der diesjährigen CeBIT beispielsweise präsentieren Mobilcom Systems und Cisco den bisher größten WLAN-Hotspot der Welt: Rund 200 Access Points sollen etwa 300.000 Quadratmeter abdecken und fast alle Messehallen mit einem drahtlosen Internetzugang ausstatten.

Während UMTS-Lizenzinhaber wegen der steigenden Hotspot-Verbreitung schon um fest eingeplante Umsätze fürchten -- ein maßgeblicher Einnahmefaktor bei der neuen Mobilfunkgeneration soll schließlich das Internet-Surfen per Handy werden -- ist im WLAN-Geschäft der Kampf um den Kunden längst entbrannt. Nach einer Analyse der Unternehmensberatung Frost & Sullivan erwirtschafteten Unternehmen in Europa allein mit Services für öffentliche Wireless LANs im vergangenen Jahr Umsätze in Höhe von 4,12 Millionen US-Dollar. Tendenz steigend: Seit Preise für WLAN-Equipment sinken und die Wireless Ethernet Compatibility Alliance (WECA) unter dem Schlagwort Wi-Fi (Wireless Fidelity) eine Interoperabilität von Geräten nach dem Standard 802.11b neuerdings weltweit zertifiziert, sind öffentliche Hotspots noch "heißer" geworden.

An Großbritannien könnte dieser Boom allerdings spurlos vorübergehen. Denn dort ist die kommerzielle Nutzung des 2,4-GHz-Spektrums für den WLAN-Standard 802.11b in öffentlichen Räumen und Hotels verboten. Das benötigte Frequenzspektrum ist Teil des so genannten ISM-Bandes, das für industrielle, wissenschaftliche und medizinische Zwecke reserviert ist. Zwar dürfen Privatanwender ohne Weiteres ihr eigenes Funknetz auf dem heimischen Grundstück installieren, eine WLAN-Nutzung auf kommerzieller Basis ist im Vereinigten Königreich jedoch verboten.

Nach dem Willen von Professor Martin Cave, Vorsitzender einer staatlichen britischen Kommission, die jüngst eine Überprüfung der Frequenzbelegung durchführte, soll dieser Missstand aber bald der Vergangenheit angehören: "Die Nutzungsbeschränkungen in den WLAN-Frequenzbereichen müssen umgehend aufgehoben werden", empfiehlt Cave der Blair-Regierung. Cave rechnet mit einem Marktpotenzial von mehr als 800 Millionen Euro jährlich allein in Großbritannien, sollte Blair der Empfehlung folgen und eine Neuverteilung der Frequenzen anordnen. Im Mittelpunkt des Interesses stehe nicht nur das 2,4-GHz-Band für den bis zu 11 MBit/s schnellen WLAN-Standard 802.11b, auch das 5-GHz-Band für den wesentlich flotteren, bis zu 55 MBit/s schnellen Nachfolger 802.11a müsse für die Öffentlichkeit freigegeben werden, manifestierte Cave. (pmz)