Kanzleroptimismus im Doppelpack für die Hannover Messe

Die Hannover Messe gilt als Stimmungsbarometer. Doch mit dem Optimismus ist das dieses Jahr so eine Sache.

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  • Hannes Boekhoff
Bei der Hannover Messe ist der Bundeskanzler inzwischen Stammgast. Gerhard Schröder hat seinen Rundgang schon zur Tradition gemacht, vor allem der Konjunktur wegen. Denn die Leitmesse gilt als Stimmungsbarometer, weshalb Kanzleroptimismus im Doppelpack nicht schaden kann: Nach der offiziellen Eröffnung der Industrieschau am Sonntagabend (14. April) inklusive Schröder-Rede wird der SPD-Politiker am Montag auch eine Reihe wichtiger Unternehmen besuchen -- wie schon vor fast genau einem Monat auf der Computer-Schau CeBIT.
Doch mit dem Optimismus ist das auf der diesjährigen Hannover Messe (15. bis 20. April) so eine Sache. Der Verband DeutscherMaschinen- und Anlagenbauer (VDMA) zum Beispiel sprach vor der Messe von lahmender Weltwirtschaft und hartnäckiger Investitionsschwäche im Inland. Die Erholung der US-Konjunktur komme für ein ausgeglichenes Jahresergebnis zu spät. Zudem schwinge in der Einschätzung eine gehörige Portion Hoffnung mit. Es könne auch schlechter kommen.
Der Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie(ZVEI) sieht die Entwicklung positiver und hofft auf eine konjunkturelle Wende in der zweiten Hälfte 2002. Allerdings sei der Weg mit Stolpersteinen versehen, wie ZVEI-Geschäftsführer Gotthard Graß erklärte. In seinen Augen kann die kommende Messe aber ein aktiver Motor sein. Auch Thilo Brodtmann vom VDMA hofft auf Impulse für Investitionen.
Vor allem auf Interesse aus dem Ausland setzt der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski. "Da die deutsche Industrie mangels verstärkter Inlandsnachfrage besonders von Exporterfolgen abhängig ist, kommt der internationalen Besetzung der Hannover Messe eine große Bedeutung zu", schrieb er in der Welt.
Wesentlich forscher ging in dieser Woche Messe-Chef Klaus E. Goehrmann zur Sache: "In der Wirtschaft greift eine Frühlings- und Aufbruchstimmung um sich." Die Messe sei genau richtig platziert, um den Aufschwung zu beschleunigen und in die Zukunft zu tragen. Er betonte: "Wir trotzen der Konjunktur", und verwies auf die unverändert hohe Zahl von knapp 7000 Ausstellern und die deutlich auf rund 250.000 Quadratmeter angestiegene Ausstellungsfläche.
Bei der Prognose für die Besucherzahlen allerdings ist die Führung der Deutschen Messe AG nach dem deutlichen Minus bei der CeBIT vor rund vier Wochen vorsichtig geworden: Die Veranstalter rechnen wegen der offenkundigen Sparwelle mancher Unternehmen im Reise-Etat mit deutlich über 200.000 Besuchern, nachdem es vor einem Jahr rund 260.000 waren. Nach Ansicht Goehrmanns begehen Firmen aber einen schweren Fehler, wenn sie gerade bei den wichtigen Messebesuchen Kosten kappen wollen. "Das kann negativ zurückschlagen."
(Hannes Boekhof)/