Nachhaltigkeit kommt in der Tech-Branche nach Wirtschaftlichkeit
Nachhaltigkeit und Effizienz etablieren sich mehr und mehr. Laut einer Studie von Deloitte ist das in Technikunternehmen vor allem wirtschaftlich motiviert.
Ausgediente Elektrogeräte liegen zum Recycling bereit.
(Bild: dpa, Julian Stratenschulte)
- Carina Schipper
Als Schlüsselbranche übt der Techniksektor Einfluss auf die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland aus. Analog dazu findet auch hier ein immer stärkerer Nachhaltigkeitsdiskurs statt. Im Rahmen des Technology Sustainability Surveys 2021 hat Deloitte 173 Führungskräfte in Unternehmen aus den Bereichen Hardware sowie Software und Services dazu befragt.
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Der Großteil (86 Prozent) der Studienteilnehmer sehen Nachhaltigkeit als einen wesentlichen Bestandteil ihrer Geschäftstätigkeit und für 88 Prozent hat das Thema in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen.
Laut Deloitte lassen sich der Stellenwert von Nachhaltigkeit und die Größe des Unternehmens in Beziehung zueinander setzen. Nahezu alle Befragten aus Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern sehen diesen Faktor als ein wichtiges Element ihres unternehmerischen Handelns, heißt es.
Bei kleineren Unternehmen dagegen zeichnet sich ein anderes Bild ab: Hier gibt fast ein Drittel an, Nachhaltigkeit keine besondere Priorität einzuräumen. Ein Möglicher Hintergrund ist, dass in kleineren Unternehmen häufiger Ressourcen und Kompetenzen fehlen, um Nachhaltigkeitsthemen voranzutreiben, so die Marktforscher.
Nachhaltigkeit vor allem wirtschaftlich motiviert
Weiter nahmen die Wissenschaftler Beweggründe der Technikbranche unter die Lupe, sich mit dem Nachhaltigkeitsgedanken auseinanderzusetzen. So sind die Anreize dafür vor allem wirtschaftlicher Natur. Mehr als die Hälfte (57 Prozent) der befragten Experten treibt hauptsächlich die Senkung von Betriebskosten bei ihren Nachhaltigkeitsinitiativen an. 47 Prozent wollen neue Märkte erschließen und 42 Prozent reagieren auf die Nachfragen ihrer Kunden. Nur etwa einem Drittel (32 Prozent) geht es darum, die eigenen Mitarbeiter zu motivieren. Das Mindern von Klimarisiken (21 Prozent) und intrinsisches Engagement (6 Prozent) sind die Schlusslichter im Motivationsranking.
Zwischen Wunsch und Wirklichkeit
Insgesamt agieren IT-Unternehmen zwar nachhaltig, aber nur, wenn sie sich davon einen ökonomischen Nutzen versprechen. Nachhaltigkeitsinitiativen zahlen sich laut Deloitte in der Praxis tatsächlich aus: 84 Prozent der Führungskräfte beobachten bereits heute positive Effekte ihrer Aktivitäten. Als überdurchschnittlich wirkungsvoll erweisen sich dabei Initiativen im Bereich Software und Services. Hier liegt die starke Zustimmung zur Wirksamkeit der eigenen Nachhaltigkeitsaktivitäten um knapp zwei Drittel höher als im Hardwarebereich, so der Technology Sustainability Survey.
Kritische Rohstoffe bilden die größte Herausforderung
Die Technikbranche hängt stark von Rohstoffen und Prozessen ab, die nicht nachhaltig, aber in vielen Fällen unverzichtbar sind. Zusätzlich bringen sie oft einen hohen Ressourcenverbrauch mit sich. Entsprechend identifiziert rund ein Drittel der Befragten hier die größten Herausforderungen für mehr Nachhaltigkeit.
Die Autoren der Studie leiten aus ihren Erkenntnissen vier Grundsätze ab, die Unternehmen dabei unterstützen, Nachhaltigkeit umzusetzen:
- In kleinen, aber stetigen Schritten vorangehen,
- Nachhaltigkeit kulturell und strategisch in der Unternehmens-DNA verankern,
- Spezifische Risiken und Potenziale identifizieren, z.B. durch neue digitale Enabler,
- Orientierung an erfolgreichen Vorbildern.
Nähere Informationen zur Studie und ausführliche Ergebnisse finden sich hier.
(csc)