Großbritannien: Schulabschlussprüfungen "on demand"

Laut Vorschlag eines Cambridge-Experten sollen Computerprüfungen künftig die traditionellen schriftlichen Abschlussprüfungen an weiterführenden Schulen ersetzen

vorlesen Druckansicht 42 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.
Von
  • Thomas Pany

Aus Großbritannien kommt der Vorschlag, herkömmliche mehrstündige Abschlusstests an weiterführenden Schulen durch Leistungsprüfungen "on demand" am Computer zu ersetzen. Wie der Guardian heute berichtet, verspricht sich der Leiter des Cambridge Assessment Group, einer zur gleichnamigen Universität gehörenden Abteilung, die sich um die Bewertung von Qualifikationen kümmert, vom "E-Testing" eine Verbesserung der Leistungen von Schülern, eine Vertiefung des Wissens und die Umgehung von Prüfungsängsten.

Seine Vision sei "keine Fantasie nach Art der Science Fiction", wird Simon Lebus von der Zeitung zitiert. Aber wahrscheinlich werde sich die Art und Weise der Schüler-Prüfungen innerhalb der nächsten 10 bis 15 Jahren so sehr ändern, dass man sie am Ende nicht wiedererkenne: "Man wird Prüfungen mehr oder weniger on demand abhalten, auf dem Computerbildschirm."

Entsprechende Programme seien zwar sehr teuer und komplex, aber es sei zu schaffen, meint Lebus. Zunächst sollten den Schüler auch traditionelle Prüfungen zur Verfügung stehen, die Umstellung auf die computerisierte Beurteilung soll Schülern mit Prüfungsangst helfen. Die Schüler würden solche Tests am Computerschirm erst dann machen, wenn sie "soweit sind". Ihre Lernfortschritte würden ständig vom Computer beaufsichtigt. Dadurch seien auch angepasste Prüfungen möglich, die sich nach dem Leistungsstand der Schüler ausrichten. Die Fragen werden schwieriger, wenn der Schüler die richtige Antwort findet und umgekehrt. Nach Informationen des Guardian würden Prüfungsgremien, sogenannte examination boards, die miteinander im Wettbewerb stehen und vom Staat genehmigt werden, Millionen in die Entwicklung entsprechender Technologie investieren.

Ein Pilotversuch des OCR, einem bekannten britischen Examination Board, das zur Cambridge Assessment Group gehört, läuft bereits seit 2007. In diesem Sommer sollen 1.800 Kandidaten aus 80 Schulen für das Pendant zum deutschen Realschulabschluss (General Certificate of Secondary Education – GCSE) ihre Prüfungen via Computer ablegen.

Auch wenn hierzulande bestimmte auf Computer basierende Lernplattformen im Einsatz seien und manche Fächer Multiple-Choice-Tests zuließen:Laut Auskunft etwa des bayerischen Kultusministeriums steht ein flächendeckender Einsatz von Computertests nicht zur Debatte. Prüfungen via Computer würden sich nur punktuell, für bestimmte Fächer wie beispielsweise Informatik, eignen. Auch sei der finanzielle Aufwand für solche Systeme sehr hoch. ()