Schwere Vorwürfe der US-Börsenaufsicht gegen Xerox

Die SEC wirft dem Drucker- und Kopiererhersteller systematische Irreführung der Anleger vor.

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Gefälschte Bilanzen bei Xerox haben nun ein gerichtliches Nachspiel. Die US-amerikanische Börsenaufsicht (Securities and Exchange Commission, SEC) wirft dem Drucker- und Kopiererhersteller systematische Irreführung der Anleger vor. Das Management habe durch eine Reihe von Buchführungstricks in den Jahre 1997 bis 2000 einen höheren Umsatz und Gewinn als real vorhanden vorgetäuscht, schreibt die SEC in ihrer 39-seitigen Klageschrift, die nun einem New Yorker Bezirksgericht vorliegt. Solche so genannten "accounting actions" sollen zum Beispiel in den vierten Quartalen 1998 und 1999 37 Prozent des Vorsteuergewinns ausgemacht haben.

Stephen M. Cutler, Direktor bei der SEC, schlägt einen ungewöhnlich harten Ton an. Xerox habe seine Buchführung lieber dafür genutzt, die Zahlen zu "polieren und zu verdrehen" und keinen Wert auf Exaktheit gelegt. Die Buchführung sei für Xerox lediglich eine weitere Einnahmequelle gewesen. Dadurch seien die Anleger irregeführt und betrogen worden. Cutlers Kollege Paul R. Berger unterstellt dem Xerox-Management, in den beanstandeten vier Jahren systematisch die Bilanzen gefälscht zu haben und rechtfertigte die verhängte Strafe in Höhe von 10 Millionen US-Dollar. Das ist die höchste Strafe, die jemals von der SEC über ein Unternehmen in den USA verhängt wurde.

Zum Einsatz kamen laut SEC komplexe, geheim gehaltene Methoden, die bei Xerox unter den unverfänglichen Begriffen "equity return" und "margin normalization" laufen. Von 1997 bis 2000 sei durch sie der Umsatz künstlich um 2,8 Milliarden US-Dollar und der Nettogewinn um 660 Millionen US-Dollar erhöht worden, rechnet die Börsenaufsicht vor. Für das Jahr 2000 hatte Xerox einen Umsatz von 18,7 Milliarden US-Dollar und einen Verlust von 257 Millionen US-Dollar gemeldet. Das Unternehmen hat bereits eingewilligt, die Strafe zu Zahlen und die Bilanzen zu korrigieren.

In seiner Klageschrift verlangt die SEC unter anderem, das Gericht möge das Xerox-Management dazu verpflichten, innerhalb von 30 Tagen eine unabhängige Arbeitsgruppe einzusetzen, deren Mitglieder von der SEC akzeptiert werden müssen. Die Arbeitsgruppe soll innerhalb von 180 Tagen die Bilanzen revidieren. Offenbar hat die Börsenaufsicht ein Exempel nötig, nachdem in jüngster Zeit zum Beispiel die Bilanzpraktiken von Computer Associates und Cisco in Verruf geraten sind. Auch hierzulande ist Bilanzfälschung anscheinend ohne weiteres möglich, wie jetzt das Beispiel der Telematik-Firma ComRoad zeigt. (anw)