Marktbereinigung schafft wieder günstigeres Gründerklima

Wirtschaftsminister Werner Müller und Kapitalgeber sahen bei der Prämierung der Gewinner im Gründerwettbewerb Multimedia einen Ausweg aus dem Tal der Tränen.

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Während der Preisverleihung zum Gründerwettbewerb Multimedia am heutigen Freitag im Zeiss-Großplanetarium in Berlin am Prenzlauer Berg zeigten sich Kapitalgeber und Bundeswirtschaftsminister Werner Müller überzeugt, dass das Verfolgen von Geschäftsideen im Bereich der Kommunikationstechnologien wieder lohnend sei. Nachdem das "Tal der Tränen" durchschritten sei, versprach zumindest Holger Frommann, Geschäfstführer des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften, jedem finanzierten Gründer ein günstiges Umfeld: "Die Aussichten sind besser als sie häufig geredet und geschrieben werden." Als durchaus positiv wertete es der Investor, dass trotz der Börsenflaute im vergangenen Jahr in Deutschland noch "recht beachtliche" 365 Millionen Euro in die Förderung von Firmen im Multimedia-Bereich geflossen seien. Begrüßenswert sei auch, dass "reine Marketingkonzepte nicht mehr finanziert werden". Ohne Produkte und Technologien flösse der Rubel nicht.

Mut machen wollte auch der Wirtschaftsminister -- nicht nur den 16 mit einem Preisgeld von je 10.000 Euro ausgezeichneten Gründern und potenziellen Nachahmern, sondern auch den Investoren. An sie appellierte der parteilose Politiker, "auf der Basis breiterer Erfahrung und eines durchaus kritischen Blickes gerade jungen Unternehmern eine Chance zu geben". Seine Besorgnis über Pläne zur Verschlechterung der steuerlichen Rahmenbedingungen für Wagniskapitalgeber habe er gegenüber dem federführenden Finanzministerium zum Ausdruck gebracht. "Wir müssen alle Anstrengungen unternehmen, die Gründerkultur in Deutschland weiter zu stärken", forderte Müller. Sie sei ein wesentlicher Baustein für Innovation und für die Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft. Erfreut zeigte sich der Wirtschaftsminister über den Erfolg der bisherigen vier Gründerwettbewerbe: Rund drei Viertel der Hauptpreisträger hätten tatsächlich ein Unternehmen gegründet, sodass sich die Bilanz auf über 1000 aktive Firmen belaufe. Besonders stolz verkündete Müller, dass trotz der Konjunkturflaute nur sechs Prozent der aus dem Wettbewerb hervorgegangenen Startups wieder eingestellt wurden.

Trotz der schönen Worte ist das Gründen in den vergangenen zwei Jahren aber nicht einfacher geworden. Frommann musste zugeben, dass gerade die wichtige "Seed-Finanzierung" für die ersten Firmenmonate "fast total weggebrochen ist." Noch sei der Selektionsprozess in vollem Gange. Die meisten der 395 Wettbewerbsteilnehmer, die 224 Gründungsideen eingereicht hatten, setzen daher auf Eigenkapital zur Unternehmensgründung. "Je besser wir auf eigenen Beinen stehen, desto freier können wir uns bewegen", brachte Eric Sommerlade aus Hamburg, der zusammen mit seinen zwei Mitgründern der UZR GmbH für seine 3D-Bildkompositions-Software ausgezeichnet wurde, die Stimmung auf den Punkt. Keine Finanzprobleme hat auch die prämierte Berliner Projektron GmbH, die eine webbasierte Software zur Planung und Koordinierung von Projekten aller Art an bereits 22 Kunden lizenziert und ein Jahr nach der Gründung bereits schwarze Zahlen schreibt.

Zu den Schwerpunktthemen der Gründer gehörten diesmal neben Visualisierungslösungen Lernsysteme fürs Web sowie Multimedia-Anwendungen für die Industrie und fürs mobile Internet. Die Berliner mobile-ad-media GmbH etwa will von Ende Mai an das Handy als Instrument für Rabattprogramme und Promotionen etablieren und so "die Plastikkarten abschaffen", wie Gründer Juni Schmitz sagt. Unterstützt wird das Team von Firmen wie Ericsson, Sun und Oracle, Kooperationen mit Netzbetreibern sind laut Schmitz "unterschriftsreif". Mehrere Ideen wie ein 3D-Diagnosesystem für die Video-Endoskopie von zwei Absolventen des Laboratoriums für Informationstechnologie der Uni Hannover sowie ein Biointerface zwischen Mensch und Computer der Barlebener neuroXX GmbH, das zunächst vor allem bei der Behandlung hyperaktiver Kinder helfen soll, zielen auf den medizinischen Anwendungsbereich.

Auch ein kulturelles Konzept hielt die Jury für förderungswürdig: Die Agentur art2b verleiht den Messeauftritten von Firmen oder Ausstellungen mit interaktiven Medienkunstwerken wie Videoclips oder Laserprojektionen das gewisse Etwas und erregte bei der Verleihung als einziges Frauenteam besondere Aufmerksamkeit. Geldprobleme plagen das Duo von der Kölner Kunsthochschule für Medien nicht: "Das ist schon unser dritter Preis", jubiliert Judith Ruzicka. "Da läppert sich einiges zusammen." (Stefan Krempl) / (jk)