Wissenschaftler diskutieren ĂĽber offene Systeme
Derzeit tagen Wissenschaftler in der Universität Ulm zum Thema "Offene Systeme für die Kommunikation in Wissenschaft und Forschung".
Noch bis Mittwoch diskutieren Wissenschaftler in der Universität Ulm über "Offene Systeme für die Kommunikation in Wissenschaft und Forschung". Die Jahrestagung der IuK-Initiative Information und Kommunikation wissenschaftlicher Fachgesellschaften gilt den neuesten Möglichkeiten der Internet-Vernetzung im Hochschulbereich mit Schwerpunkten wie E-Learning, E-Publishing, wissenschaftliche Portale, Meta-Suchmaschinen, Online-Datenbanken sowie Informationskompetenz in Wissenschaft und Öffentlichkeit.
Rund 200 Gäste aus dem In- und Ausland sind in Ulm versammelt -- an der IuK-Initiative sind allerdings ausschließlich etablierte wissenschaftliche Fachgesellschaften beteiligt wie etwa die Gesellschaft für Informatik (GI), die Informationstechnische Gesellschaft (ITG) im Verband Deutscher Elektrotechniker und die Deutsche Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis. Dezidiert kritische Gesellschaften wie das Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FiFF) fehlen in dem erlauchten Kreis.
Alles dreht sich um den Standort Deutschland, deshalb lautet das IuK-Hauptziel beim Aufbau elektronischer Informations- und Kommunikations-Infrastrukturen in ihren Wissenschaften: "Die wissenschaftlichen Fachgesellschaften wollen die damit verbundenen Chancen nutzen, international die Entwicklung mitzubestimmen und voranzutreiben." Nicht wenige Referentinnen und Referenten treten in Ulm mit Beiträgen an, die Vorschläge zu und Erfahrungen mit Projekten breiterer barrierefreier demokratischer Wissensvermittlung und Informationsangebote präsentieren.
Ein Blick auf die Liste der Redner wie auch der bereits veröffentlichten Abstracts verdeutlicht allerdings, es geht primär nicht darum, die Entwicklung einer zunehmenden profitorientierten Kommerzialisierung und Privatisierung der IuK-Bereiche der Hochschulen konsequent zu hinterfragen. So geraten zwischen die wissenschaftlichen Referate reine Werbevorträge für kommerzielle kostenpflichtige Portale, Datenbanken und Metasuchmaschinen, zum Beispiel der Erlanger Infopeople AG oder der Freisinger Managementberatung Zollner.
Die Einsicht der IuK-2002-Organisatoren, dass im Wissenschaftsbetrieb "das gegenwärtige, vornehmlich zentral organisierte elektronische Informationsangebot durch dezentrale Informationen ergänzt und bereichert werden" soll, wird relativiert, wenn gleichzeitig für kostenpflichtige Informationsangebote geworben wird, die den Kostenrahmen jeder Hochschule in öffentlicher Trägerschaft sprengen. (Ekkehard Jänicke) / (wst)