Metapad, Infoscope und das Internet der nächsten Generation
Big Blue zeigt kleine Geräte: Auf dem IBM-Stand in Halle 1 sind neben eher nüchternen Business-Anwendungen auch wieder einmal Design-Studien, Forschungsprojekte und Prototypen zu sehen.
Big Blue zeigt kleine Geräte: Auf dem IBM-Stand in Halle 1 (Stand 4G2) sind neben eher nüchternen Business-Anwendungen auch wieder einmal Design-Studien, Forschungsprojekte und Prototypen zu sehen. Neben der Weiterentwicklung der Linux-Uhr -- jetzt unter der Bezeichnung Watch Pad mit Kalender und Pager-ähnlichen Funktionen -- ist auch der universelle Mini-Computer Meta Pad zu bewundern: Das Gerät ist etwa 13 cm lang, 7,6 cm breit, knappe 2 cm flach und wiegt rund 250 Gramm.
Die Maschine verfügt über 128 MByte Speicher, eine 10 GByte große Festplatte und einen Crusoe-5800-Prozessor, der -- je nach Anwendung -- mit 300 bis 800-MHz-Takt läuft. Das MetaPad selbst ist allerdings nur das Basis-Modul, das dann -- je nach Anwendungsgebiet -- in verschiedene Erweiterungsmodule gesteckt werden kann. Aus dem MetaPad soll auf diese Weise ein PDA werden, ein Desktop-Rechner oder eine Wearable -- das alles im laufenden Betrieb. Vor dem Umstecken geht die Maschine innerhalb von sechs Sekunden in den Suspend-Mode und kann nach dem Umstöpseln innerhalb von sechs Sekunden weiterarbeiten.
InfoScope, ein Forschungsprojekt des IBM Almaden Research Center, soll dem Nutzer dazu dienen, sich jederzeit mobil die Informationen zu beschaffen, die er für die Orientierung an einem fremden Ort benötigt: Der Prototyp eines mobilen Informationssystems mit integrierter Kamera ermöglicht es dem Nutzer, beispielsweise chinesische oder andere unbekannte Schriftzüge zu erfassen und in die eigene Sprache zu übersetzen. Richtet er die Kamera auf Gebäude, zeigt das Gerät mithilfe des integrierten GPS nicht nur die genaue Position des Benutzers auf einem Stadtplan an, sondern liefert auf Wunsch auch Informationen zum anvisierten Objekt, wie beispielsweise den Gebäudenamen oder dessen Geschichte.
Da PDAs in ihrer Speicher- und Prozessorkapazität limitiert sind, wurde InfoScope in eine Client/Server-Architektur implementiert. Der Client besteht aus einer Farbbild-Kamera (Casio JK-710DC Color Digital Camera), die an einen PDA (Cassiopeia E125) angeschlossen ist. Die Verbindung zum Server für das Hoch- und Runterladen von Informationen wird per GSM Modem hergestellt. Zusätzlich verfügt das InfoScope über ein GPS System (Nav-180 GPS), das präzise Informationen über die Position des Benutzers liefert. Die Serverseite besteht aus einem IBM eServer. In zwei bis drei Jahren könnte das System marktreif sein.
Für Herbert Kircher, Geschäftsführer des IBM Entwicklungszentrums in Böblingen -- die mit rund 1.800 Mitarbeitern größte IBM-Denkfabrik außerhalb der USA -- sind die gezeigten Arbeiten Puzzelsteine auf dem Weg zum "Next Generation Internet". In dieser nächsten Generation soll "die Grenze zwischen Gerät und Netz verschwinden" -- während das Internet heutzutage "nur" Informationen liefert, soll es in Zukunft Speicherplatz, Anwendungen und Rechenleistung "aus der Steckdose" bereitstellen. "Propiertäre Systeme", davon ist Kircher überzeugt, "haben im Next generation Internet keine Chance. Das muss offen sein". (wst)