Studie: Computerspielen trainiert den Zahlensinn
Vielspieler erkennen einfacher, ob mehr Äpfel oder Orangen im Einkaufswagen liegen – laut einer Studie trainiert Videospielen die Fähigkeit, Mengen zu schätzen.
Messebesucher testen auf der Gamescom neue Spiele.
(Bild: dpa, Oliver Berg)
Je länger sich Menschen mit Computerspielen befassen, desto besser können sie laut einer Studie auf einen Blick eine Anzahl an Gegenständen abschätzen. Dies beruhe auf verbesserten Aufmerksamkeitsprozessen im Gehirn, berichten die Tübinger Neurowissenschaftler Joana Stäb und Uwe Ilg vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung und der Universität Tübingen. Ihre Studie ist nun online in der Fachzeitschrift "Addiction Biology" erschienen.
Für die Untersuchung wurden passionierte Computerspieler rekrutiert, die mehr als vier Stunden pro Woche mit ihrem Hobby verbrachten. Als Kontrollgruppe dienten Personen, die deutlich weniger Zeit mit Videospielen verbrachten. Während des Experiments sahen beide Gruppen zwei Kreise mit Punkten auf einem Bildschirm. Sie mussten jeweils spontan angeben, in welchem Kreis sich mehr Punkte befanden. So konnten die Forschenden ihre Wahrnehmungsschwelle bestimmen. Je mehr Personen pro Woche spielten, desto feiner war laut der Studie ihre numerische Auflösung. Das liege wahrscheinlich an besseren Aufmerksamkeitsprozessen im Gehirn.
Videospielen verbessert kognitive Fähigkeiten
"Die Fähigkeit, Mengen auf einen Blick zu schätzen, lässt sich tatsächlich trainieren", berichtet Studienleiter Ilg laut einem am Montag in Tübingen veröffentlichten Text. "Computerspieler können intuitiv und ohne nachzuzählen besser unterscheiden, ob mehr Äpfel oder mehr Orangen im Einkaufswagen liegen."
Videos by heise
Das Team geht davon aus, dass Computerspielen Einfluss darauf hat, wie unser Gehirn die Aufmerksamkeit lenkt und kontrolliert. "Wir wissen aus weiteren Studien, dass Videospielen auch andere kognitive Fähigkeiten verbessert, wie etwa die Zeitwahrnehmung oder das Arbeitsgedächtnis", sagte Ilg. Beide Hirnforscher rufen dennoch zum mäßigen Spielen auf. "Jede Medaille hat zwei Seiten – exzessives Computerspielen kann in Abhängigkeit münden, dies ist offiziell als Krankheit anerkannt."
(dahe)