Laut VDI fehlen jährlich 40.000 Ingenieure und Informatiker
Verbandspräsident Christ warnt vor einer Wiederholung von beschäftigungspolitischen Fehlern der 90er Jahre.
Schnelle Entscheidungen in der Zuwanderungsfrage für hoch qualifizierte Fachkräfte forderte Hubertus Christ, Präsident des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI), auf der CeBIT. Dies sei der erste Schritt für eine kurzfristige Lösung des jährlich nicht gedeckten Bedarfs von 20.000 Ingenieuren und 20.000 Informatikern. "Egal ob mit Greencard oder Zuwanderungsgesetz -- wichtig ist, dass das Problem gelöst wird", sagte Christ.
Der Verbandspräsident warnte auch davor, Fehler aus der Krise Anfang der 90er Jahre zu wiederholen. Damals hatten die Unternehmen der Branche mit Einstellungsstopp reagiert. In der Folge wandten sich viele Schüler und Studenten von technischen Berufen ab. "Eine kurzfristig orientierte Beschäftigungspolitik führt zu einer Wiederholung des so genannten Schweinezyklus, dessen Spätfolgen wir gerade erleben", so Christ. Kurzfristig komme die deutsche Wirtschaft nicht ohne die Zuwanderung hoch qualifizierter Fachkräfte aus. Langfristig müssten zudem weitere Weichen gestellt werden, da der Anteil der Ingenieure an der Gesamtzahl der Beschäftigten seit zwanzig Jahren steige und weiter ansteigen werde.
Christ wertete die Bilanz der Greencard-Initiative der Bundesregierung als Erfolg, kritisierte aber gleichzeitig, dass sich die Arbeitserlaubnis nur an IT-Fachkräfte wende. "Wir dürfen Ingenieure und Informatiker nicht künstlich auseinander definieren", so der VDI-Präsident. Im internationalen Vergleich stehe Deutschland auch mit einem Frauenanteil von zehn Prozent in Ingenieursberufen schlecht da. In Italien oder Spanien seien rund 27 Prozent der Ingenieure weiblich. "Es ist die Aufgabe der Schulen, auch Frauen mehr für technische Berufe zu begeistern." (tol)