Denic kündigt Öffnung für neue Mitglieder an
Die Denic eG, Registrierungsstelle für .de-Domains, wird in Zukunft nicht mehr nur klassische "Full Service Provider" in die Genossenschaft aufnehmen.
Die Denic eG, Registrierungsstelle für .de-Domains, wird in Zukunft nicht mehr nur klassische "Full Service Provider" in die Genossenschaft aufnehmen, sondern auch Webhoster und andere als Domainprovider tätige Unternehmen. Das beschlossen die Genossenschaftsmitglieder der .de-Netzadressen-Verwaltung, die mit 5,4 Millionen Domains nach eigenen Angaben den zweitgrößten Namensraum der Welt verwaltet.
Nicht der gegen die inzwischen rund 160 Genossenschaftsmitglieder von Zeit zu Zeit erhobene Kartellvorwurf, den die Denic immer bestritt, sei der Grund für die Neuregelung des Status, heißt es heute bei der Genossenschaft. Vielmehr sei die Öffnung eine Reaktion auf den veränderten Markt, der sehr viel arbeitsteiliger organisiert sei. "Fünf Jahre nach der Gründung ist es an der Zeit, die Aufnahmeregelungen den geänderten Rahmenbedingungen anzupassen", begründete in einer Mitteilung der Aufsichtsratsvorsitzende Sebastian von Bomhard die Neuregelung.
Auch Webhoster zum Beispiel, die Zugangskapazitäten ihrerseits zukauften und daher laut Statut bislang keine Denic-Genossen werden konnten, dürfen jetzt eine Mitgliedschaft beantragen. Große Webhoster wie 1 & 1 oder Strato waren bislang allerdings ohnehin schon über verbundene Unternehmen Mitglieder. Mit Blick auf die Zukunft ist laut Denic-Sprecher Klaus Herzig prinzipiell auch die Mitgliedschaft von Telekommunikationsfirmen möglich, die Adressen wie die geplanten Telefondomains anbieten werden. "Wir rechnen nun nicht gerade mit einem Massenansturm, sondern eher mit monatlich 10 bis 15 statt wie bisher vier bis fünf Neumitgliedern."
Ein paar Bedingungen müssen die Neuen immerhin erfüllen: Sie müssen für Geschäftsausfälle versichert sein oder doch zumindest die Voraussetzungen für Ausfallkredite in Höhe von 10.000 Euro erfüllen. Die Denic will diese Absicherung über die Hermes Kreditversicherungs AG überprüfen lassen. Das notwendige technische Know-how sollen die Neulinge nach Angaben von Herzig in einer obligatorischen, etwa zweitägigen Schulung im Haus der Denic nachweisen: "Der Kurs schließt mit einem Test ab, der Voraussetzung für die Mitgliedschaft ist."
Finanziell schlägt das Aufnahmeverfahren mit 1.500 Euro zu Buche, zwei Drittel davon sind die Aufnahmegebühr. 500 Euro berechne man, so Herzig, für die Bearbeitung des Aufnahmeantrags, allerdings einschließlich der Pflichtschulung. Die Bearbeitungsgebühr behält die Denic auch dann, wenn ein Antragsteller die Hürden nicht nimmt. Wie hoch die monatlichen Beträge -- bestehend aus einem Fixum und einem Domain-abhängigen Beitrag -- sind, mit denen sich die Neumitglieder an den Unkosten der Denic beteiligen sollen, darüber möchte der Sprecher keine Auskunft geben. "Wir sagen das nur den Mitgliedern."
Im Jahr 2000 gab die Denic immerhin 4,8 Millionen Euro aus, die durch Einnahmen gedeckt werden müssen, größtenteils durch Mitgliedsbeiträge. Allerdings dürfte die Spanne zwischen den großen und kleinen ISPs recht deutlich sein. Bei wachsender Anzahl der Mitglieder, derzeit sind es 160, könnte es außerdem für den Einzelnen etwas günstiger werden, allerdings sind im vergangenen Jahr auch die Ausgaben der Denic wohl kräftig gestiegen. Ob es für kleine Reseller also wirklich attraktiv wird, müssen diese genau kalkulieren. Bevor man Neumitglieder nach dem neuen Statut aufnimmt, sind die beschlossenen Änderungen im Genossenschaftsregister einzutragen: Herzig rechnet mit dem Start in rund sechs Wochen. (Monika Ermert) / (jk)