Ließ Murdoch die Pay-TV-Verschlüsselung der Konkurrenz knacken?

Vivendi-Tochter Canal Plus verklagt Murdochs NDS Group auf eine Milliarde Dollar Schadensersatz.

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Von
  • Florian Rötzer

Gestern reichte die Vivendi-Tochter Canal Plus Technologies beim US District Court in San Jose eine Klage wegen "unlauteren Wettbewerbs" gegen Rupert Murdochs NDS Group ein und forderte eine Milliarde US-Dollar Schadensersatz. Die Firma soll, so der Vorwurf, in den Forschungslabors in Israel die Verschlüsselung der Canal Plus-Smart Card geknackt und den Code dann der US-Firma NDS America Inc. übermittelt haben. "NDS wendete", so Canal Plus in einer Pressemitteilung, "große Geldsummen und umfangreiche Mittel auf, um den Code der digitalen TV Smart Card von Canal Plus zu extrahieren und ihn anschließend auf einer Website bereitzustellen, die von Fälschern frequentiert wird." Danach sei der Markt mit gefälschten Smart Cards geradezu überschwemmt worden, was Canal Plus und ihren Kunden schweren Schaden zugefügt habe.

Neben der Verletzung des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb wird NDS auch die Verletzung des Gesetzes zum Schutz vor organisierter Erpressung und Bestechung oder des Urheberrechtsgesetzes vorgeworfen.

In einer ersten Reaktion erklärte NDS, diese Vorwürfe seien "scheußlich und bar jeder Grundlage". Gleichzeitig gab die Firma zu, die Smart Cards der Konkurrenz per Reverse Engineering zu analysieren, um ihre Funktionsweise zu verstehen und die eigenen Sicherheitsmechanismen zu verbessern. Diese Ergebnisse würden jedoch nie veröffentlicht. Die Vorwürfe gegen NDS erhärteten sich jedoch gestern, als bekannt wurde, dass die Firma offenbar finanzielle Verbindungen zu einer Smart Card-Hacker-Website unterhielt. (Janko Röttgers)

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