MobilCom vor der Entscheidung

Einen Tag vor der Entscheidung ĂĽber die Zukunft des Mobilfunkanbieters MobilCom haben InsolvenzgerĂĽchte und Dementis die MobilCom-Aktie zu einer hektischen Achterbahnfahrt veranlasst.

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Von
  • Eckart Gienke
  • dpa

Einen Tag vor der Entscheidung über die Zukunft des Mobilfunkanbieters MobilCom haben Insolvenzgerüchte und Dementis die MobilCom-Aktie zu einer hektischen Achterbahnfahrt veranlasst. Die französische Zeitung Le Figaro meldete am Mittwoch, France-Telecom-Chef Michel Bon habe die Pariser Regierung überzeugen können, die teure deutsche Beteiligung fallen zu lassen. Dem traten sowohl MobilCom-Gründer und Großaktionär Gerhard Schmid als auch das Unternehmen selbst entgegen: Die Meldung sei offenkundig falsch.

"Es liegen weder dem Vorstand noch dem Aufsichtsrat Fakten vor, die auf eine Auflösung der Zusammenarbeit hinweisen", heißt es in einer MobilCom-Mitteilung. Da im Aufsichtsrat Spitzenmanager von France Telecom sitzen, kommt diese Erklärung einer offiziellen Stellungnahme der Franzosen gleich. "Auch die Vereinbarung mit den Banken und die Einigung mit Nokia sind deutliche Zeichen für eine gemeinsame Zukunft", heißt es weiter. Zudem müsse France Telecom mit Schadenersatzforderungen rechnen, wenn sie ihre finanziellen Verpflichtungen gegenüber MobilCom nicht einhalte.

Eine Pleite und der Verlust von 5000 Arbeitsplätzen wäre die Folge, würden die Franzosen den Geldhahn abdrehen. An der Börse verlor die Aktie mehr als die Hälfte ihres Wertes und lag am Nachmittag knapp über zwei Euro. Bankanalysten und Börsenhändler schätzen die Zukunft von MobilCom höchst unterschiedlich ein.

Die seit Monaten anhaltende Unsicherheit über das Schicksal des Mobilfunkunternehmens aus dem schleswig-holsteinischen Büdelsdorf hat die Aktie zu einem beliebten Zockerpapier gemacht. Schon mehrfach führten Gerüchte, die sich später meistens nicht bestätigten, zu heftigen Kursbewegungen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) will deshalb eine formelle Untersuchung wegen Kursmanipulation einleiten.

Fest steht bislang nur, dass der Verwaltungsrat der France Telecom Donnerstag am späten Nachmittag tagt und anschließend eine Lösung für das MobilCom-Problem präsentieren will. Angeblich haben die Franzosen gerade noch 30 Millionen Euro nach Büdelsdorf überwiesen. "Das tut man nicht, wenn man einen Partner fallen lassen will", sagte Schmid. Auch MobilCom bestätigte, dass France Telecom stets ihren Verpflichtungen nachgekommen sei.

Falls France Telecom der nun schon seit Jahresbeginn dauernden Hängepartie ein Ende bereitet, entscheidet sich auch das Schicksal von Michel Bon. Während die Pariser Wirtschaftswelt noch jüngst darüber spekulierte, durch wen der Staat den Mann aus Grenoble ablösen werde, könnte sich nach dem Bericht des Figaro das Ausstiegsszenario durchsetzen. Doch auch das wird teuer für France Telecom. Offen ist, wie der Staat dem Unternehmen aus dem Klemme hilft. "Ohne den Staat als Beschützer und als Retter wäre France Telecom pleite", sagt Elie Cohen vom nationalen CNRS-Institut. "So wird der Konzern die Durststrecke überstehen." Das Unternehmen ist mit rund 70 Milliarden Euro verschuldet.

Die gesamte MobilCom/France-Telecom-Affäre wird vielleicht noch auf Jahre hinaus Dutzende von Juristen beschäftigten. Mittlerweile klagt fast jeder gegen jeden; insgesamt sind mehr als ein halbes Dutzend Verfahren angekündigt oder eingeleitet. Die 2500 Beschäftigten der MobilCom-Hauptverwaltung in Büdelsdorf haben vor der Sitzung im fernen Paris zu einer Demonstration und Kundgebung aufgerufen. Uhrzeit: Eine Minute vor Zwölf. (Eckart Gienke, dpa) / (anw)