Multihoming in der Pandemie: Netflix vor Prime, Zoom vor Microsoft Teams
5,4 Kommunikationsdienste nutzen Menschen in Deutschland parallel, hat eine Umfrage ergeben. Beim Videostreaming präferieren sie jetzt eher Netflix als Amazon.
Solche ZusammenkĂĽnfte sind trotz Coronafaust in der Pandemie eher selten gewesen.
(Bild: Hochschule Fresenius)
32 Prozent der Verbraucher und Verbraucherinnen in Deutschland nutzen 2020 den Videostreaming-Dienst Netflix, 30 Prozent Amazon Prime. Damit hat Netflix den Konkurrenten erstmals überholt, der bis 2018 in Deutschland die Nase vorn hatte. Das haben die Hochschule Fresenius und das Wissenschaftliche Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste GmbH (WIK) in einer Umfrage unter 3090 Menschen im vierten Quartal 2020 festgestellt. Allgemein herrsche der Wunsch vor, möglichst allumfassend durch einen Anbieter bedient zu werden.
Die Forschenden haben sich gefragt, ob der Umstand, in der Coronavirus-Pandemie mehr Zeit zu Hause verbracht zu haben, dazu führte, mehr Geld für Musik- und Videostreaming-Angebote auszugeben. Auch fragten sie sich, ob der Trend zum "Multihoming" anhält, also parallel verschiedene Dienste zu nutzen.
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"Obwohl sich der Anteil der zahlungsbereiten Konsumenten seit 2015 nahezu verdoppelt hat, wirkt sich dies jedoch nicht maßgeblich auf die Anzahl der zahlungspflichtigen Abonnements aus", geht aus der Studie " Let's stay home " (PDF) hervor. So hörten mehr als 50 Prozent der Nutzer Musik im Streaming, ohne dafür Geld zu bezahlen.
Zahlungsbereitschaft reicht nicht aus
Die Zahlungsbereitschaft bei Video-Streaming-Angeboten reiche ebenfalls nicht aus, um die Dienste vieler Anbieter auf dem Markt gleichzeitig zu abonnieren. Durchschnittlich werden 1,6 verschiedene Dienste verwendet. "Aktuell macht Streaming bei 65 Prozent beziehungsweise 45 Prozent der Konsumenten in Deutschland etwa die Hälfte ihres Gesamtkonsums von Video- oder Musik-Inhalten aus", erläutert Serpil Taş vom WIK.
Unter internetbasierten Kommunikationsdiensten wie WhatsApp, E-Mail oder Skype rückte vor allem die Videotelefonie während der COVID-19-Pandemie in den Vordergrund. Die breite Masse der Befragten blieb aber weiterhin dem Telefon treu und nutzt beide Techniken zunehmend komplementär. Die Pandemie hatte auch Einfluss auf die Dauer und Häufigkeit der Nutzung. Konsumenten gaben an, Kommunikationsdienste im Vergleich zu der Zeit vor dem Ausbruch der Pandemie deutlich stärker zu nutzen.
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Konsumenten und Konsumentinnen nutzten mehrere Dienste parallel – im Durchschnitt 5,4 – unter anderem aus Gründen des Komforts und wegen der verschiedenen Funktionen, die sie bieten. Besonders wichtig sei, welche Gruppen sozialer Kontakte jeweils wie erreicht werden können. Mit jeder weiteren sozialen Gruppe, mit der privat interagiert wird, steigt die Anzahl der genutzten Dienste im Durchschnitt um 0,7. Ebenso gilt, je mehr Kontakte über einen einzelnen Dienst erreichbar sind, desto weniger Dienste werden verwendet.
"Let's stay home" – Streaming und Kommunikation in der Pandemie (8 Bilder)

(Bild: Hochschule Fresenius / WIK)
Mit dem "offiziellen" Beginn der Pandemie im März 2020 stieg der Download von Videokonferenz-Software stark an. Unter den kostenlosen Angeboten hatte dabei vor allem Zoom die Nase vorn, dessen Software an einigen Tagen im März und April 2020 mehr als 3 Millionen Mal am Tag weltweit heruntergeladen wurde. Mit großem Abstand folgen die Alternativen Microsoft Teams oder Google Meet.
(anw)