Telekom dementiert Bericht über Abfindung für Sommer

Telekom-Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus wies am Sonntag Berichte über eine Abfindungszahlung an den ehemaligen Telekom-Chef Ron Sommer ausdrücklich zurück.

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  • dpa

Telekom-Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus wies am Sonntag Berichte über eine Abfindungszahlung an den ehemaligen Telekom-Chef Ron Sommer ausdrücklich zurück. Von 65 Millionen Euro war in einer Schadenersatzklage gegen Bundeskanzler Gerhard Schröder und Finanzminister Hans Eichel die Rede, über die das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtete.

"Abfindungszahlungen hat es nicht gegeben. Die Beiträge, die als Abfindungszahlungen genannt sind, sind aus der Luft gegriffen und frei erfunden", teilte Winkhaus mit. In der Klage einer Unternehmergruppe beim Berliner Landgericht war dem Spiegel zufolge ohne Angaben von Quellen behauptet worden, der Aufsichtsrat habe Sommer am Tag vor dessen Rücktritt eine Abfindung zugesagt. Schröder und Eichel werde in der Klage vorgeworfen, eine Abfindung nicht verhindert zu haben, obwohl es Gründe gegeben habe, Sommer auch ohne eine solche Zahlung zu entlassen.

Vize-Regierungssprecher Bela Anda bezeichnete die Klage am Wochenende als "durchsichtigen Versuch, Wahlkampfunterstützung für eine in die Defensive geratene CDU/CSU zu leisten." Die Bundesregierung hatte stets eine Einmischung bei der Sommer-Ablösung zurückgewiesen. CSU-Landesgruppenchef Michael Glos sprach im Zusammenhang mit der Klage von einem "politischen und wirtschaftlichen Erdbeben", das ein Telekom-Skandal auslösen könne und warf Schröder und Eichel Betrug von Telekom-Aktionären vor.

Winkhaus betonte am Sonntag, eine unangemessene Einflussnahme des Bundes im Zusammenhang mit dem Rücktritt Sommers habe es nicht gegeben. "Die Meinungsbildung im Aufsichtsrat hat Herrn Dr. Sommer veranlasst, seinen Rücktritt zu erklären."

In einem vom Internet-Informationsdienst politikerscreen.de veröffentlichten Papier, bei der es sich um die Klageschrift handeln soll, ist eine Düsseldorfer Telekom-Aktionärin als einzige Klägerin eingetragen. Sie fordert, als Schadenersatz eine Million Euro an die Telekom zu überweisen. In der Klage wird zumeist lediglich auf Medienberichte und Agenturmeldungen als Beweismittel verwiesen. Der seinerzeit als Sommer-Nachfolger gehandelte Telekom-Vorstand Gerd Tenzer wird durchgehend "Tänzer" genannt. politikerscreen.de ist nach einen Angaben ein Informationsdienst für Politik in Zusammenarbeit mit dem ZDF.

Zum angeblichen Aufsichtsratsbeschluss über eine Abfindung für Sommer heißt es in der im Internet veröffentlichten Klageschrift ohne nähere Einzelheiten: "Nach langer Diskussion soll man sich schließlich darauf geeinigt haben, dass Ron Sommer für den Fall seines Rücktritts vom Amt des Vorstandsvorsitzenden am nächsten Tag ein Abfindungsbetrag von mehr als 65 Millionen Euro gezahlt wird."

Eichel hatte unmittelbar nach Sommers Rücktritt Mitte Juli mitgeteilt, der Telekom-Chef erhalte keine Abfindung, werde aber entsprechend dem Vertrag Gehalt bis zum Jahr 2005 beziehen. Sommers Jahresgehalt wurde mit 2,5 Millionen Euro angegeben. In Medienberichten war auch darüber spekuliert worden, ob Sommer eine Option auf die Verlängerung seines Vertrags für weitere drei Jahre geltend gemacht und entsprechend mehr Geld erhalten habe.

Auch Winkhaus verwies am Sonntag auf die bisherigen Angaben, dass der Vertrag mit Sommer bis Mai 2005 laufe. "Die in dem Artikel genannten Summen und angeblichen Vertragsinhalte haben mit der Realität nichts zu tun." (dpa) / (wst)