Virtueller Angstgegner mit acht Beinen
Mit animierten Spinnen in der Augmented Reality hilft eine Smartphone-App der Universität Basel gegen verbreitete Berührungsängste.
Eine Spinne in der Augmented Reality auf der eigenen Hand zu ertragen, hier mit der Phobys-App in Level 5, verringert die Spinnenangst.
(Bild: Universität Basel)
Wenn eine realistisch anmutende Spinne in der Augmented Reality über die eigene Hand krabbelt, kommen Menschen mit Spinnenangst schnell an ihre Grenzen. An der Universität Basel entwickelte ein Forschungsteam um Professor Dominique de Quervain eine App, die eine animierte Spinne in die reale Umgebung hineinsetzt. Damit können sich Betroffene zu Hause ihrer Angst stellen. Das Spinnenmodell der Baseler bewegt sich realistisch und kann in neun Stufen zunehmend Angst und Ekel hervorrufen.
Für eine klinische Studie rekrutierten die Forscher 66 Teilnehmer mit Arachnophobie. Eine Gruppe der Probanden versuchte, über zwei Wochen sechs Trainingseinheiten von jeweils einer halben Stunde Dauer mit der App durchzustehen. Die Kontrollgruppe bekam dagegen keine App. Am Anfang und am Ende der Testwochen sollten die Studienteilnehmer einen Raum mit einer lebendigen Hausspinne in einem durchsichtigen Kästchen betreten und sich dieser so weit nähern, wie es ihre Angst gerade noch zuließ. Im Ergebnis kamen die App-Anwender nach zwei Wochen deutlich näher an die Spinne heran und empfanden dabei auch weniger Angst und Ekel als zuvor.
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Bisher ist die Expositionstherapie mit echten Spinnen die übliche Behandlungsmethode gegen große Spinnenangst. Ein Problem ist, dass Betroffene genau davor zurückscheuen. Die App Phobys ermöglicht ein Herantasten an das Angstobjekt. Allerdings machen es einem die haarigen, lebensnah animierten Spinnen nicht leicht. Das Forschungsteam rät, die App bei starker Angst nur unter fachlicher Begleitung zu nutzen. Tatsächlich erfragt Phobys nach jedem Level den erlebten Grad von Angst und Ekel und schaltet weitere Level nur frei, wenn Grenzen nicht überschritten werden. Die App ist für iOS und Android erhältlich. Das Freischalten der aufsteigenden Level nach einem kostenlosen Eingangstest kostet fünf Euro.
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(agr)