Proteste gegen StudiengebĂĽhren weiten sich aus
Während Nordrhein-Westfalen Studiengebühren für alle plant, sollen andernorts Informatikstudiengänge als Testobjekt dienen.
Gestern waren es 9, heute sind es bereits 16 Hochschulen in Nordrhein-Westfalen, die von ihren Studenten bestreikt werden. Am Sonnabend ist eine landesweite Demonstration in DĂĽsseldorf geplant. In erster Linie richtet sich der Protest gegen die angekĂĽndigte EinfĂĽhrung von StudiengebĂĽhren in Nordrhein-Westfalen, das bisher als sicherer Verfechter des kostenfreien Zugangs zur Hochschulbildung galt. Jetzt plant die Landesregierung, ab 2003 jeden Studenten mit einem Semesterbeitrag von 50 Euro, Langzeit- und Seniorenstudenten mit 500 bis 650 Euro zur Kasse zu bitten.
Zusätzlich für Protest sorgt die Ankündigung, dass das Geld nicht direkt den Hochschulen zugute kommen, sondern in den nächsten drei Jahren in der Landeskasse verschwinden soll.
Die nordrhein-westfälischen Pläne sind für viele Studenten der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Die offizielle Festlegung, dass das Erststudium von Studiengebühren frei bleiben soll, hat keineswegs verhindert, dass etliche Hochschulen über Szenarien nachdenken, wie sich trotz leerer Staatskassen attraktive Studienbedingungen schaffen lassen. So konzentrieren sie sich zunächst auf die Einführung von Gebühren für Zweit-, Aufbau- und Weiterbildungsstudiengänge und versuchen gleichzeitig, die Akzeptanz für speziell konzipierte, kostenpflichtige Studiengänge in begehrten Fächern wie Informatik zu testen.
Jüngstes Beispiel sind Überlegungen der TU München für ein Pilotprojekt, bei dem die zusätzlichen Einnahmen durch Studiengebühren dazu verwendet werden sollen, um mit einer exzellenten Lehre exzellente Studenten und Nachwuchsforscher anzulocken. Für dieses Experiment kämen nach einem kürzlich bekannt gewordenen Strategiepapier unter anderem die Informatikstudiengänge in Frage. Das sei alles noch nicht spruchreif, kommentierte die TU München die Kooperation mit dem von Bertelsmann-Stiftung und Hochschulrektorenkonferenz getragenen Centrum für Hochschulentwicklung (CHE), aber man wolle rechtzeitig vorbereitet sein, falls die politische Situation sich ändere -- mit anderen Worten: falls es für ein solches Pilotprojekt die ministerielle Zustimmung gebe oder das generelle Studiengebührenverbot fiele. (anm)