Chat um 15 Uhr: UnitedLinux und die Folgen
Schafft UnitedLinux eine Vereinheitlichung der GNU/Linux-Varianten, ohne an den Prinzipien Freier Software zu rütteln? Das ist eine der Fragen, der wir gemeinsam mit Gästen und Usern im heutigen Chat nachgehen wollen.
Die Distributoren Caldera, Connectiva, SuSE und TurboLinux ernten für ihre UnitedLinux-Initiative nicht nur Applaus. Nachdem die Industrie von Hewlett-Packard bis IBM das Projekt als richtige Reaktion auf die Zersplitterung des Marktes begrüßte, kommen kritische Töne von der Free Software Foundation und Richard Stallman, der Entwickler zum Widerstand gegen UnitedLinux aufruft. Dem vorausgegangen waren Spekulationen über eine beabsichtigte Einführung von Einzelplatzlizenzen durch zumindest einen der UnitedLinux-Partner. Damit werde das GNU- und Linux-System zu etwas pervertiert, das mit den Freiheiten der Entwickler so umspringe wie Windows, wird Stallman sinngemäß von Linux and Main zitiert.
Inzwischen versucht der deutsche Distributor SuSE, den Kritikern Wind aus dem Segel zu nehmen. "Wir planen wirklich keine Einzelplatzlizenzen für UnitedLinux", sagte US-Direktor Holger Dyroff im Gespräch mit Linux Today. Er könne aber nicht im Namen aller Mitglieder des Konsortiums sprechen. Aber ein solch grundsätzlicher Wechsel in der Lizenzierungspraxis sei für Produkte unter der UnitedLinux-Fahne nicht vorgesehen gewesen. Zudem kündigte Dyroff Entwicklerversionen an, die auch als Binaries zum Download verfügbar sein sollen.
Damit sind die Bedenken der Free Software Foundation (FSF) noch nicht vom Tisch. Man sei schon lange über das Verhältnis der Distributoren zu Freier Software besorgt, erklärte FSF-Direktor Bradley Kuhn. "Die Firmen mischen munter 'Freie und unfreie Software'", ein Beispiel dafür liefere YaST. "Das ist der falsche Ansatz. [...] Die Anwender wollen keine unfreie Software auf den Distributionen".
Vorsorglich ermahnt auch der Linux-Verband LIVE die beteiligten Firmen, die Grundprinzipien Freier Software nicht anzutasten. "Gemäß unseres Satzungsziels und auch im Interesse der meisten Mitglieder müssen wir natürlich betonen, dass die freie Verfügbarkeit nicht leiden darf", sagte LIVE-Vorstandsmitglied Daniel Riek gegenüber heise online. Allerdings unterstütze der Verband "grundsätzlich jede [...] Vereinheitlichung der GNU/Linux-Varianten".
Ob die Zusammenarbeit von vier Distributoren grundsätzlichen etwas an der Segmentierung des Marktes ändert, bezweifelt allerdings mancher Beobachter. "Red Hat, Mandrake und andere sind weiterhin zur Mitwirkung eingeladen", hieß es gestern bei Caldera. "Wir hoffen, dass sie die Offerte annehmen". Doch darauf deutet angesichts der betonten Zurückhaltung des weltweit führenden Distributors Red Hat derzeit wenig hin.
Wohin wird die Reise gehen? Kann UnitedLinux die von Unix bekannte Zersplitterung des Marktes verhindern, ohne an den Prinzipien Freier Software zu rütteln? Dies ist eine der Fragen, die wir gemeinsam mit Gästen und Usern von heise online im heutigen Chat nachgehen wollen. Dazu begrüßen wir auf dem Podium die Red-Hat-Geschäftsführer Dirk Haaga und Dieter Hoffmann sowie Gregory Blepp (Vice President International bei SuSE) und SuSE-Entwicklungschef Markus Rex. Vom LinuxTag aus Karlsruhe werden Daniel Riek (Vorstandsmitglied des Linux-Verbands LIVE), Debian-Entwickler Martin Joey Schulze und iX-Redakteur André von Raison zugeschaltet. Die Veranstaltung beginnt um 15 Uhr und dauert eine Stunde. Bereits ab 14 Uhr führen Links auf der Chat-Seite und der Homepage von heise online direkt in den Chat-Raum.
Von diesem Chat gibt es mittlerweile ein User- und Podiumsprotokoll zum Nachlesen. (em)