Diebstahlsverdacht gegen Startup-GrĂĽnder
Die Berliner Firma PixFind kämpft ums Überleben, nachdem der Geschäftsführer mit der Kriegskasse durchgebrannt sein soll.
Die unter chronischem Geldmangel leidende New Economy ist um ein Schmierenstück reicher. Das Berliner Startup PixFind Net Technologies wurde angeblich Opfer eines Diebstahls aus den eigenen Reihen. Der ehemalige Geschäftsführer der Gesellschaft, Andreas Goetze, soll sich nach einem Griff in die Kriegskasse mit einem sechsstelligen Betrag aus dem Staub gemacht haben. Nun klaffe im Finanzierungsplan der Firma eine Lücke, die das neue Management allerdings nicht als lebensgefährlich bezeichnet. Die drei Millionen Euro, die die Technologieförderungsgesellschaft (TFG) in PixFind gesteckt hat, sind jedoch aufgebraucht.
Einen Namen gemacht hat sich das Startup bislang vor allem über seine professionelle Bilddatenbank Piaxa sowie den prominenten Mitgründer Horst Konrad Zuse, einen Sohn des Berliner Erbauers des ersten programmgesteuerten Rechners. Momentan arbeiten die verbliebenen 13 Mitarbeiter an einer Neufundierung. "Wir haben die Notbremse gezogen", sagte Firmensprecherin Tanja Henseler heise online. In der letzten Zeit sei "zu viel Geld verbrannt worden." Trotz des immensen Fehlbetrags könne der Geschäftsbetrieb weiterlaufen.
Während die Anklageschrift seit Freitag beim Staatsanwalt liegt, versucht der neue PixFind-Chef Martin Bald durch eine Erweiterung des Geschäftsmodells Geld einzutreiben. So soll die sprachunabhängige Suchtechnologie hinter Piaxa, die digitale Bilder aufgrund motivischer Ähnlichkeiten aus Datenbanken herausfischen kann, gesondert lizenziert werden. Als Kunden hat die Firma, die laut Henseler trotz des Fehlbetrags noch geschäftstüchtig ist und Google Konkurrenz machen will, vor allem Werbeagenturen und Bildredaktionen aus dem Medienbereich im Visier. Der Vertrieb erfolgt in Kooperation mit der TU Berlin, zu der PixFind über den dort Informatik lehrenden Zuse gute Verbindungen hat.
Bernhard Böhm von der TFG hofft, über diesen Weg sein Investment sowie das "bei PixFind kumulierte Know-how" retten zu können. Gleichzeitig fordert der Geldgeber aber, dass die Geschäftsführung den Fall restlos aufklärt. Noch ist über die Hintergründe der angeblichen Unterschlagung wenig bekannt. Unabhängig von den weiteren Ermittlungen ereilte den mutmaßlichen Dieb bereits der Bannstrahl der Firmengeschichte: Der vom Medizinstudent zum Gründer avancierte Goetze, den Henseler noch in Deutschland vermutet, wurde bereits aus der Ahnengalerie entfernt. (Stefan Krempl) / (anw)