Runder Tisch gibt grünes Licht für Internet-Apotheken
Der Runde Tisch im Gesundheitswesen sprach sich auf seiner letzten Sitzung in für die Freigabe des Versandhandels aus.
Der Runde Tisch im Gesundheitswesen sprach sich am Montag auf seiner letzten Sitzung in Groß-Ziethen bei Berlin für die Freigabe des Versandhandels aus. Bei der Bestellung von Medikamenten über das Web müsse aber der Schutz der Patienten sichergestellt werden, meinte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, die den Runden Tisch ins Leben gerufen hatte, laut Financial Times Deutschland. Auch dürfe die herkömmliche Versorgung der Bürger durch Apotheken nicht gefährdet werden. Die Apotheker lehnten den Plan strikt ab.
Schmidt wies darauf hin, dass die Internet-Apotheke für die Patienten Geld und Zeit spare. Nach ihren Vorstellungen sollen die Kassen nur die Kosten von im Internet bestellten Medikamenten erstatten, die auch in Deutschland zugelassen sind. Voraussetzung sei eine Information in deutscher Sprache über Anwendung und Nebenwirkungen der bestellten Arzneien.
Der Chef der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), Hans-Günter Friese, bezweifelt, dass sich diese Bedingungen angesichts des grenzüberschreitenden Wettbewerbs im Internet durchsetzen ließen. Der elektronische Medikamentenhandel sei langfristig gesehen nicht so sicher, nicht so schnell und nicht so kostengünstig wie der herkömmliche Vertrieb über Apotheken. Nur drei EU-Länder hätten bisher den Medikamentenversand zugelassen, erläuterte Friese. Daher gebe es keinen Druck aus dem Ausland, den Internet-Handel zuzulassen.
Dem Runden Tisch ging es in den vier Sitzungen der vergangenen zwölf Monate um die Modernisierung des Gesundheitswesens. Im Kapitel "Moderne Vertriebswege in der Arzneimittelversorgung" der Empfehlungen heißt es: "Elektronischer Handel und Versandhandel mit Arzneimitteln haben das Potenzial, Wünschen und Bedürfnissen von Patientinnen und Patienten in der Arzneimittelversorgung besser als bisher zu entsprechen, Apotheken weitere Mittel des Wettbewerbs und Service insbesondere zur Kundeninformation und -bindung zu ermöglichen und die Wirtschaftlichkeit der Arzneimittelversorgung zu verbessern."
Versicherte von neun niedersächsischen Betriebskrankenkassen können seit Dezember ihre Medikamente bei der Internet-Apotheke DocMorris beziehen. (anw)