Uni Bremen führt Studiengang "Systems Engineering" ein

Beim Systems Engineering sollen bereits in der Planungsphase die neu zu entwickelnden Maschinen und Roboter als integrierte Systeme angesehen werden, die als Co-Design von Hard- und Software entstehen.

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Von
  • Holger Bruns

Industrieroboter, die in beinahe menschenleeren Fabrikhallen komplexe Bauteile wie die Karosserien von Automobilen produzieren und fertig lackiert zur Endmontage weiterreichen: Sie sind in der heutigen Massenfertigung nicht mehr wegzudenken. Aber auch in anderen Bereichen wie zum Beispiel der Wägetechnik haben es die Ingenieure inzwischen fast nur noch mit Maschinen zu tun, in denen nicht nur die Mechanik, sondern auch die Elektrotechnik und in steigendem Maße die Steuerung per Software eine große Rolle spielt.

Dieser Entwicklung möchte die Bremer Universität nun mit der Einrichtung des neuen Studiengangs Systems Engineering im Fachbereich Produktionstechnik gerecht werden. Systems Engineering bedeutet, dass bereits in der Planungsphase die neu zu entwickelnden Maschinen als integrierte Systeme angesehen werden, die als Co-Design von Hard- und Software entstehen.

Studienanfänger sollen in dem Studiengang, erklärt die Universität Bremen, über eine solide Ausbildung in der E-Technik, des Maschinenbaus und der Informatik verfügen. Ihre Kenntnisse werden jedoch aus praktischen Gründen nicht über denselben Tiefgang verfügen wie in diesen drei Grunddisziplinen: "Stattdessen müssen die Studierenden in Form von speziellen Vorlesungen, Praktika, Laboren und Projekten die Möglichkeit erhalten, ihre fächerübergreifende Denk- und Arbeitsweise ausbilden zu können." Ziel sei es, konventionelle Lösungen durch integrierte Systeme zu ersetzen, die kostengünstiger und leistungsfähiger seien.

Ein Beispiel dafür liefert die Bremer Uni in den Labors ihrer Automatisierungstechniker. Hier steht der klassische Industrieroboter -- mit einer Mechanik aus klobigen Armen sowie einem hüfthohen Schaltschrank für die Steuerung. Daneben findet sich dessen preiswertes Ebenbild -- aus einem Baukastensystem zusammengesetzt, mit der Elektronik und der Mechanik in handgroßen, würfelförmigen Gehäusen plus Steuerrechnerplatine von der Größe eines Briefpapierbogens. Um derlei planen und bauen zu können, sollen sich die Studierenden zusätzlich auf ein Gebiet spezialisieren. Dazu gehören neben einigen anderen Fächern die Betriebsorganisation, die Automatisierungstechnik, die Robotik, die Mechatronik und die Software für Embedded Systems.

Der Studiengang Systems Engineering ist international ausgerichtet. Es gibt mit dem Bachelor of Science und dem Master of Science zwei Abschlüsse, wobei der Bachelor nach sechs, der Master nach insgesamt neun Semestern erreicht worden sein sollte. Zwischen- und Abschlussprüfungen entfallen. Stattdessen werden die Lehrveranstaltungen nach dem europäischen ECTS-System mit Credit Points bewertet, um die internationale Vergleichbarkeit zu sichern.

Der neue Studiengang ist nichts für Teilzeitstudenten, warnt die Bremer Uni vorsorglich: "Das ingenieurwissenschaftliche Studium stellt hinsichtlich Arbeitsdisziplin und Zeitaufwand hohe Anforderungen an die Studierenden." Der Lohn der Mühe zahle sich später mit einem guten Einkommen aus, denn die Berufs- und Verdienstchancen seien hervorragend. Wer jetzt noch einsteigen will, muss sich allerdings beeilen. Der Studiengang Systems Engineering ist zulassungsbeschränkt. Die Einschreibefrist für das kommende Wintersemester endet daher am morgigen Montag, den 15. Juli. (Holger Bruns) / (jk)