Gates-Stiftung grĂĽndet 70 neue College High Schools

Microsoft-Chef Bill Gates steckt 40 Millionen US-Dollar in das Bildungssystem der USA; profitieren sollen zunächst sozial benachteiligte Jugendliche.

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Von
  • Peter-Michael Ziegler

Microsoft-Chef Bill Gates und seine Frau Melinda treten erneut als Wohltäter in Erscheinung: Mit mehr als 40 Millionen US-Dollar will das Ehepaar künftig sozial benachteiligte Schüler in den Vereinigten Staaten unterstützen. Neben der Gründung von 70 neuen Schulen sollen von dem Geld vor allem zusätzliche Ausbildungsangebote bezahlt werden, damit amerikanische Jugendliche bis zur Abschlussprüfung an den High Schools verbleiben und nicht vorher abbrechen. Die Projektmittel stammen aus der Bill & Melinda Gates Foundation, einer vor gut zwei Jahren ins Leben gerufenen Stiftung, die mit einem Vermögen von mehr als 24 Milliarden US-Dollar als der bedeutendste Wohltätigkeitsfonds der Welt gilt.

Am US-amerikanischen Schulsystem, das auch als Modell für bundesrepublikanische Gesamtschulen zur Diskussion stand, wird häufig bemängelt, dass insbesondere in den letzten beiden Schuljahren (Junior-/Senior-Year) zu geringe Ansprüche an die geistigen Leistungsfähigkeiten der Schüler gestellt werden und dass viele Jugendliche dem Schulalltag wegen Unterforderung und Langeweile einfach den Rücken kehren. Vor allem junge Heranwachsende aus sozial schwachen Familien bleiben deshalb häufig ohne schulischen Abschluss und haben es als so genannte Drop-Outs schwer, sich später auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt durchzusetzen.

"High Schools in der gegenwärtigen Form sind das ineffektivste Produkt unseres gesamten Bildungssystems", verdeutlichte Thomas Vander Ark, Ausbildungsverantwortlicher der Gates-Stiftung, gegenüber Pressevertretern. Betroffen von dem schlechten Ausbildungsstandard in den USA seien vorrangig schwache Gesellschaftsmitglieder: Kinder und Jugendliche nämlich, die aus einem sozial benachteiligten Umfeld stammen. "Das Drop-Out-Phänomen lässt sich keineswegs mehr auf lokale Brennpunkte beschränken", führte Ark weiter aus, "das Problem hat sich mittlerweile landesweit manifestiert". So hätten beispielsweise Schulexperten in den Bundesstaaten Utah und Washington schon damit begonnen, das Niveau in den Schulen anzuheben und die Ausbildungsinhalte von High Schools und weiterführenden Colleges eng miteinander zu verzahnen. Ähnlich dem dualen System in Deutschland mit seinen Berufsschulen werden künftig auch in den USA schulische und berufsspezifische Kenntnisse gemeinsam vermittelt.

Ganz oben auf dem Projektplan der Gates-Stiftung steht daher nicht nur der Bau von bis zu 70 neuen, so genannten College High Schools, in denen bis zum Jahr 2004 mehr als 28.000 Drop-Out-gefährdete Jugendliche aus dem ganzen Land Platz finden sollen, auch die Umgestaltung zahlreicher existierender Schulen zu diesem neuen Schultyp soll mit finanziellen Mitteln in Millionenhöhe gefördert werden. Was nach Aussagen von Bildungsmanager Ark aber nicht passieren wird, ist eine dauerhafte Unterstützung durch die Gates-Stiftung: "Wir gehen davon aus, dass sich die von uns geförderten Institutionen in drei Jahren selbst finanzieren".

Gerade dieser Aspekt ist es, der auch Kritik am sonst so hehren Plan der Gates-Foundation laut werden lässt. "Es besteht die Gefahr, dass dem Prototypen zu schnell der Sprit ausgeht", gibt sich der New Yorker Professor Leon Botstein skeptisch. Ein solches Unterfangen bedürfe sehr viel mehr als nur eines Anschubes zu Beginn. Aber auch Botstein, Gründer der Bard Early College High School in Brooklyn, ist vom positiven Ansatz des Bildungsprojekts der Gates-Stiftung überzeugt: "Wenn junge Menschen ein Ziel haben, das sie anspornt, gehen sie nach vorne und fallen nicht zurück." (pmz)