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Fast unhörbare Geräusche, verstärkt im Computer, gewinnen Kultstatus als Lowercase Sound.

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Von
  • Hans-Peter SchĂĽler

Fast unhörbare Geräusche, verstärkt im Computer, gewinnen Kultstatus als Lowercase Sound. Das Magazin Wired berichtet über eine Szene mit vermeintlich 10.000 Anhängern, in der hauptsächlich Macintosh-Benutzer esoterische Klangaufnahmen erzeugen und per Web oder CD veröffentlichen. Dort kann man sich belehren lassen, dass etwa "Zhu Shui" auf Mandarin-chinesisch für kochendes Wasser steht, und zugleich ein MByte an MP3-Daten mit Geräuschen aus erhitzten und abkühlenden Teekesseln erhalten.

Es soll auch schon eine CD vorgeführt worden sein, deren Zuhörer anschließend gefragt haben, ob überhaupt irgendetwas darauf zu hören war. Anders als beim minimalistischen Komponisten John Cage, der seinem Publikum in den 50er Jahren einmal ein Werk aus viereinhalb Minuten Stille präsentiert hat, soll aber bei Lowercase-Aufnahmen immer zumindest irgendein Input zu Grunde liegen.

Dabei sind die leisen Tonkonserven oft aus ganz ernst gemeinten Wissenschaftsprojekten hervorgegangen. Bei der verstärkten Geräuschkulisse eines Ameisenhaufens oder etwa Tönen, die beim Schock-Gefrieren von Bakterienkulturen entstehen, kann man sich das immerhin vorstellen. Wenn aber eine Bücherei in Hollywood eine CD herausbringt, auf der 54 Minuten lang nur verschiedene Aktivitäten mit Papier zu belauschen sind, überwiegt wohl doch mehr der künstlerische Anspruch. (hps)