Intel-Chef Pat Gelsinger verärgert Chip-Auftragsfertiger TSMC

Gelsingers Aussage "Taiwan ist kein krisenfester Ort" sorgt für Unmut beim weltgrößten Chip-Auftragsfertiger.

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Intel-CEO Pat Gelsinger

(Bild: Intel)

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Am 1. Dezember sprach Intel-CEO Pat Gelsinger auf der Konferenz Fortune Brainstorm Tech 2021 ĂĽber den aktuellen Chipmangel. Bekanntlich plant sein Unternehmen gewaltige Investitionen in neue Halbleiterfertigungswerke (Chip-Fabs) in den USA, in Israel und Europa, wofĂĽr Gelsinger um Subventionen wirbt.

Auf der erwähnten US-Konferenz sagte Gelsinger nach Medienberichten, Taiwan sei kein krisenfester Ort (Taiwan is not a stable place). Im Oktober hatte China als Machtdemonstration wieder einmal Kampfflugzeuge in Richtung Taiwan fliegen lassen. In Taiwan gibt es zudem häufig Erdbeben und im Sommer 2021 hatte das Land mit einer Dürre zu kämpfen.

Mit der Einschätzung von Taiwan wollte Gelsinger vor allem für mehr Chip-Produktion in den USA werben, verärgerte aber seinen Geschäftspartner TSMC, den welweit größten Chip-Auftragsfertiger mit Sitz in Taiwan.

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Mit seiner Äußerung hat sich Gelsinger womöglich keinen Gefallen getan. Denn einerseits will Intel mit der Strategie "IDM 2.0" die Auftragsfertigung ausbauen, wodurch die Konkurrenz mit TSMC wächst. Andererseits gehört Intel schon lange zu den größeren TSMC-Kunden und wird bei kommenden High-End-Prozessoren wie Ponte Vecchio sowie bei den Arc-Grafikchips sogar noch stärker auf TSMC als Zulieferer angewiesen sein.

Experten unter anderem von der industrienahen Stiftung Neue Verantwortung (SNV) halten das Risiko für gering, dass China die Chip-Produktion in Taiwan beeinträchtigt.

TSMC wiederum hält hohe Subventionen für lokale Chip-Fabs in den USA und der EU für falsch. TSMC argumentiert, dass es ein hohes Risiko gibt, dass diese Fabs am Ende zu teuer produzieren und auf Dauer nicht wirtschaftlich zu betreiben sind. Allerdings baut TSMC derzeit selbst ein Fertigungswerk in den USA (in Phoenix/Arizona) und erwägt auch Investitionen in anderen Ländern.

Es ist außerdem auch kein Geheimnis, dass TSMC selbst von der taiwanischen Regierung gefördert wird; der taiwanische Entwicklungsfonds (National Development Fund, NDF) gehört zu den größten TSMC-Aktionären und hielt 2020 6,38 Prozent der Aktien.

(ciw)