Orientalisten stellen Informationen zu Terror-Gruppen ins Internet
Mitarbeiter des Orientalischen Instituts der Universität Leipzig haben Informationen über islamistische Terror-Gruppen in einer Datenbank ins Internet gestellt.
Die Terroranschläge vom 11. September in den USA haben die aktuelle Gestalt des Islam ebenso wie die Terror-Gruppen weltweit in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt. In einer bundesweit einmaligen Aktion haben Mitarbeiter des Orientalischen Instituts der Universität Leipzig nun Informationen über solche Gruppen gesammelt und in einer Datenbank ins Internet gestellt. Über ein Dutzend der bekannteren Gruppen sind dort vertreten: von Abu Nidals Organisation in Palästina über die algerische Heilsfront FIS bis hin zur Partei der Islamischen Befreiung in Zentralasien, der Islamischen Bewegung Usbekistans und Abu Sayyaf auf den Philippinen.
"Wir haben die Belege, etwa aus dem Internet, wissenschaftlich verifiziert und Quellen dafür benannt, um Propaganda von seriösen Fakten zu trennen", erläutert der Initiator des Projekts, Arabistik-Professor Eckehard Schulz. Seine Studenten haben in monatelanger Arbeit das Internet ausgewertet, übersetzt und Sekundärquellen hinzugezogen. Die Datenbank enthält Beschreibungen der Gruppen, ihrer Mitgliederstruktur, der Führer sowie historisch gesichtete Fakten bis zu ihrem gesellschaftlichen Einfluss. Allein die zahlreichen Verweise auf die Originalseiten der Organisationen soll die Datenbank zur "unverzichtbaren Recherchequelle nicht nur für wissenschaftliche oder journalistische Fragestellungen werden" lassen.
Sinn der Arbeit sei es nicht zuletzt, durch den Terror vermehrte Ressentiments gegenüber dem Nahen Osten und den Muslimen sowie "gelegentlich undifferenzierte Medienberichte" zurechtzurücken, sagte Schulz. Vor allem wolle man klar machen, dass es keinesfalls um religiöse Konflikte gehe. Vielmehr müssten "die politische und soziale Funktion des Islam in seiner Einheit und Vielfalt, insbesondere die verschiedenen Varianten des Fundamentalismus, betrachtet werden". Es gehe also nicht um den Islam als Religion, vielmehr um "Probleme, die im Zusammenhang mit der Globalisierung und damit verbundenen sozialen und kulturellen Prozessen der Transformation stehen".
Daneben haben die renommierten Leipziger Arabisten in jüngster Zeit einen Islam-Katalog erstellt, der Informationen über 54 Länder bietet. Die auch vom US-Geheimdienst CIA genutzte Quelle habe bis zu 15.000 Nutzer am Tag, sagt Schulz. Um nicht zuletzt als Folge des 11. Septembers den interkulturellen Dialog zu verstärken, haben sie soeben einen Chatroom mit den drei Kairoer Universitäten eröffnet. Das Projekt zielt auf Studenten, Wissenschaftler, deutschsprachige Ägypter vor allem, deren Zahl auf rund 80.000 in Kairo geschätzt wird.
In der islamischen Welt hat Ägypten auf Grund seiner Größe politisch und -- mit der Azhar-Universität, der größten Bildungsstätte für sunnitische Muslime -- auch religiös eine führende Rolle inne. Alleine der freie Zugang zum Internet, längst keine Selbstverständlichkeit im Land am Nil, und die damit einhergehenden Informationsmöglichkeiten könnten "ein großer Schritt auf dem Weg zu einem weltoffenen Klima" auch dort sein. (Konrad Watrin, dpa) / (jk)