WAZ-Konzern denkt an Einstieg bei KirchMedia
Lag das Augenmerk des Konzerns bisher eher auf Printmedien, machen die Essener mit den Verhandlungen um einen Einstieg bei der insolventen KirchMedia eine Kehrtwende.
Die Essener WAZ-Gruppe überlegt, zusammen mit dem Sony-Filmstudio Columbia Tristar und der Commerzbank, für dem Kernbestand der insolventen KirchMedia zu bieten. Die WAZ-Gruppe zählt mit einem Umsatz von rund 1,9 Milliarden Euro im Jahr 2001 zu den größten deutschen Medienunternehmen. Lag das Augenmerk des Konzerns bisher eher auf Printmedien, machen die Essener mit den Verhandlungen um einen Einstieg bei der insolventen KirchMedia eine Kehrtwende. Auf dem Fernsehmarkt ist die WAZ-Gruppe bisher in überschaubarem Umfang mit 7,4 Prozent an der RTL Group aktiv, Europas größter Fernseh- und Radioholding. Im vergangenen Jahr hatte WAZ-Geschäftsführer Erich Schumann erklärt, dass der Konzern darüber nachdenke, sich von seinem Anteil an der RTL Group zu trennen. TV-Erfahrungen hat der Konzern zudem mit dem Einstieg beim Regionalsender tv.nrw gesammelt.
Bislang war in der Branche eher spekuliert worden, dass der Medienriese von der Ruhr eher auf Kirchs 40-Prozent-Anteil am Axel Springer Verlag aus sei. Doch die WAZ-Geschäftsführung hatte erklärt, die Gruppe sei an dem Paket zunächst nicht interessiert. Der Konzern habe gegebenenfalls an der Mehrheit bei Springer Interesse. Dies will jedoch Friede Springer auf alle Fälle verhindern. Finanziell dürfte die Übernahme der Kernstücke der KirchMedia für die WAZ-Gruppe kein Problem darstellen. Mit Umsatzrenditen im zweistelligen Prozentbereich arbeiten die Essener höchst profitabel und haben den schnellen Ausbau des Familienunternehmens in den vergangenen Jahrzehnten ermöglicht.
Die WAZ-Gruppe beschäftigt rund 12.000 Menschen. Sie verlegt 519 Printtitel, darunter Werbeblätter, Magazine und 28 Tageszeitungen in den Ländern Deutschland, Österreich, Ungarn, Bulgarien, Kroatien, Tschechien, Jugoslawien und Rumänien. Die Tageszeitungen erreichen eine tägliche Gesamtauflage von rund 4,3 Millionen Exemplaren. Ferner ist sie an Hörfunk- und Fernsehsendern beteiligt und betreibt den regionalen Onlinedienst Cityweb.
Im Zeitungsgeschäft breitet sich die WAZ derzeit besonders in Südost-Europa aus, dem Spezialgebiet des früheren Kanzleramtsministers und EU-Koordinators Bodo Hombach (SPD). Hombach ist seit 1. Februar dieses Jahres einer von vier Geschäftsführern des Familienunternehmens, das 1948 mit der Herausgabe der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung vom Sozialdemokraten Erich Brost und dem Konservativen Jakob Funke gegründet wurde. Hombach und Erich Schumann vertreten im WAZ-Konzern die Brost-Gruppe. Auf der Funke-Seite stehen als Geschäftsführer Lutz Glandt und Detlef Haaks. (dpa) / (jk)