Vivendi erwirbt Marvel-Lizenzen fĂĽr Onlinespiele
Die Gamesdivision des französischen Mischkonzerns will mit Marvel-Lizenzen stärker in den Onlinespiele-Markt einsteigen.
Um für die von Analysten prognostierte Boomzeit bei Onlinespielen im Jahr 2006 gerüstet zu sein, geht Vivendi Universal jetzt in die Offensive. Aus diesem Grund sicherte sich der französische Mischkonzern die Rechte an sämtlichen Superhelden des US-Verlages Marvel Enterprises für eigene Onlinespiele. Diese sollen Ken Cron, Vorsitzender der Vivendi-Gamesdivision, zufolge 2005 und somit rechtzeitig zum bevorstehenden Boom erscheinen. Der Vertrag erlaubt Vivendi in den kommenden zehn Jahren die insgesamt 4700 Comic-Charaktere in kommenden Spielen einzubinden. Zuvor konnten die Franzosen Marvel-Lizenzen für die Kinofilme The Hulk und Spider-Man erwerben.
Der US-amerikanische Comic-Verlag erhält für die Lizenzfreigabe eine jährliche nicht genau bezifferte Gebühr. Zusätzlich soll das Unternehmen an von den Spielern gezahlten Monatsraten beteiligt werden; kein zu unterschätzender Einnahmefaktor: Denn nach Schätzung von Cron gebe es mehr als 500.000 Onlinespieler, die derzeit zwischen 10 und 15 US-Dollar monatlich bezahlen.
Vivendis Engagement im Bereich Onlinespiele ist jedoch nicht neu. Derzeit erfreuen sich sämtliche Blizzard-Spiele wie WarCraft III und Diablo II, die der Konzern weltweit vertreibt, großer Beliebtheit; nicht zuletzt wegen der kostenlosen Nutzung des Onlinedienstes Battle.net. Andere eigene Internetspiele wie "The World of Warcraft" oder Lord of the Rings basierend auf der Saga von J.R.R. Tolkien nähern sich mit großen Schritten der Fertigstellung.
Obwohl zuletzt der Verkauf der Vivendi-Spielesparte immer wieder diskutiert wurde, scheint das Unternehmen auch mit der Gewinn bringenden Sparte fortbestehen zu können. Denn ohne eine Zusage des neuen Chefs, Firmenteile zu veräußern, hatten elf Banken einen weiteren Kredit in Höhe von drei Milliarden Euro bewilligt. Somit sollte auch das Fortbestehen der jüngst eröffneten Niederlassungen der Spielesparte in Skandinavien gesichert sein. Unter der Firmierung "Vivendi Universal Games Nordic" werden die anderen drei Niederlassungen von Stockholm aus gesteuert.
Anders als Vivendi denkt Infogrames nicht an Expansion sondern an Kostenreduzierung. Wie MCV Online meldet, hat Infogrames die SchlieĂźung zwei weiterer Entwicklungsstudios beschlossen. Die Kosten fĂĽr die Liquidierung beziffert das Unternehmen auf acht Millionen Euro, gespart werden sollen jedoch 25 Millionen Euro. Die Infogrames-Pressestelle gab dazu keine Auskunft. Erst vor wenigen Tagen gab das Unternehmen die SchlieĂźung der britischen Microprose-Niederlassung bekannt. (Christopher Hippler) / (daa)