Net2Phone verklagt Cisco
Der angeschlagene Spezialist fĂĽr Internet-Telefonie Net2Phone hat seinen einstigen Vorzeige-Partner Cisco wegen angeblichen Vertragsbruchs verklagt.
Der angeschlagene Spezialist für Internet-Telefonie Net2Phone hat seinen einstigen Vorzeige-Partner Cisco verklagt. In einer beim Bezirksgericht New Jersey eingereichten Klage wirft Net2Phone dem Netzwerkausrüster Vertragsbruch, Täuschung und Verletzung von Geschäftsgeheimnissen vor.
Cisco hatte vor anderthalb Jahren begonnen, in die ausgegliederte Net2Phone-Tochter Adir Technologies zu investieren. Adir wurde mit der Entwicklung von Software für Voice-over-IP-Netzwerke beauftragt, die später gemeinsam mit VoIP-Hardware von Cisco an Telekommunikations-Service-Provider verkauft werden sollte.
Mit dem Geld der Investoren schluckte Adir im vergangenen August zudem den verlustbehafteten IP-Telefonie-Pionier NetSpeak. 48 Millionen US-Dollar gab man für den einstigen Konkurrenten aus, der vor allem die begehrten H.323 Gatekeeper-Lösungen im Programm hatte, mit der Organisationen ihre vorhandene IP-Netzwerk-Infrastruktur um Sprachkommunikationsdienste erweitern konnten.
Net2Phone, dessen Mitarbeiterzahl im vergangenen Jahr drastisch um 60 Prozent zurückging, behauptet jetzt, von Cisco lediglich als Spielball benutzt worden zu sein. So sei das Engagement bei Adir nur ein Vorwand für die Beschaffung von Branchenwissen gewesen. Cisco habe zudem versprochen, seine Produkte ausschließlich auf Adir-Software abzustimmen, nur um anschließend die Entwicklung bei Adir monatelang zu behindern, damit Cisco-eigene Systeme bessere Marktchancen hätten.
Auch beim Kauf von NetSpeak sei mit falschen Karten gespielt worden, lamentiert Net2Phone weiter. Aus purem Selbstzweck habe Cisco seinen einstigen Partner gedrängt, den Konkurrenten NetSpeak zu übernehmen. NetSpeak habe aber von vorne herein nur so lange über Wasser gehalten werden sollen, bis Cisco die NetSpeak-Kunden mit eigenen Produkten beliefern konnte.
Cisco-Sprecher distanzierten sich unterdessen vom Vorwurf unlauterer Absichten. Die Klage Net2Phones sei nur ein Versuch, wegen nicht zustande gekommener Geschäfte juristisch nachzukarten. Man sei nicht vertragsbrüchig geworden, hieß es aus Kalifornien. (pmz)