Vergessene Hackerin: Wer war Susy Thunder?
Phreaker, Groupie, Keynote Speaker bei der DEFCON – die Geschichte von Susan Headley ist wild und heute beinahe vergessen. Claire Evans hat sie wiederentdeckt.
(Bild: Ola Nordal (CC BY SA 3.0))
- Helga Hansen
"All die besten Hacker, die besten Phreaker in der Welt kennen wir nicht, weil sie nie verhaftet wurden." So erklärt Susan Headley, warum sie heute kaum noch jemandem ein Begriff ist, obwohl sie zu Beginn der 80er-Jahre zu den berüchtigsten Hackern gehörte. Dies dürfte sich jetzt ändern, dank einer ausführlichen und lesenswerten Reportage von Claire L. Evans, die Headley über zwei Jahren auf der Spur war.
Unter dem Titel "Searching for Susy Thunder" begibt sich Evans für das Online-Magazin The Verge auf die Suche nach Headley und zeichnet ihr abenteuerliches Leben nach. Dabei treffen Welten aufeinander, denn Thunder ist gleichzeitig Groupie und Phreaker. Sie nutzt ihre Telefon-Kenntnisse und Arbeit als Telefonistin, um an Backstage-Pässe für Konzerte zu bekommen. Später verdient sie als Dominatrix viel Geld, mit dem sie sich die nötige Hardware kaufen konnte. Kreditkartenfirmen, die US-amerikanische Kraftfahrzeug-Zulassungsstelle und "persönliche Feinde" – niemand ist vor dem Chaos und der Manipulation von Headley und ihren Freunden sicher.
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Hack oder Mülleimerfund?
So faszinierend das Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Seiten des Nachtlebens ist, so ernüchternd ist die immer wieder auftauchende Gewalt, der Thunder in ihrem Leben begegnete. Dass sie als Dominatrix arbeitet, ist nach dem Auflösen der Hackergruppe ein Grund sie "bloßzustellen". Ihr Ex-Freund postet Gewaltandrohungen in den Mailbox-Netzen und betitelt sie als "Möchtegern-Hacker". Tatsächlich sind die Hacks und Betrügereien selten glamourös oder technisch anspruchsvoll, sondern basieren eher auf Handbüchern, die die Gruppe aus Müllcontainern gefischt hat.
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Während die anderen ins Gefängnis müssen, arbeitet Headley schließlich noch eine Weile als Sicherheitsberaterin und sagt sogar vor dem US-Senat zu Computersicherheit aus, bis sie sich aus der Szene zurückzieht. Nachzuhören ist immerhin ihr Vortrag "Social Engineering and Psychological Subversion of Trusted Systems", für den sie 1995 auf der dritten DEFCON noch einmal öffentlich auftrat.
(hch)