Baukastenprinzip für Sprachanwendungen
Nach dem Lego-Prinzip sollen sich mit VoiceObjects Factory einzelne Sprach-Objekte zu interaktiven Dialogen beliebiger Komplexität zusammensetzen lassen.
Karl-Heinz Land, Gründer und Vorstandsvorsitzender von VoiceObjects, trumpft auf. "Die VoiceObjects AG entwickelt und vermarktet mit der VoiceObjects Factory die weltweit erste offene Softwareplattform für die einfache und schnelle Erstellung von sprachgesteuerten Anwendungen", meint der Chef der vormals OneBridge genannten Firma. Gemeint ist: Nach dem Lego-Prinzip lassen sich so genannte VoiceObjects zu interaktiven Dialogen beliebiger Komplexität zusammensetzen. VoiceObjects Factory ist eine offene und auf Techniken wie VoiceXML oder SALT basierende Plattform, in der komplexe Sprach- und Basistechnologie vollständig gekapselt ist, erklärt die Firma. Das Konzept der Kapselung soll die völlige Entkoppelung von Technik und Anwendung ermöglichen, sodass sich der Designer und Entwickler eines Sprachdienstes vollkommen auf die Funktion konzentrieren kann. Sprachanwendungen können dann nach Ansicht von VoiceObjects in einer bislang nie da gewesenen Geschwindigkeit entwickelt werden.
Die so genannte VoiceObjects Factory besteht aus den beiden Komponenten VoiceObjects Server für die Dialogausführung und VoiceObjects Desktop für das Design und die Entwicklung von Sprachanwendungen. Im VoiceObjects Server wird aus den Sprachobjekten einer Anwendung der Sprachdialog zur Laufzeit dynamisch in VoiceXML oder anderen Mark-up-Sprachen und Standards generiert. Die in einer Layer-Technik gegliederten VoiceObjects ermöglichen zusätzlich dynamisch individuelle Ausprägungen der Sprachanwendung: Der Anrufer erhält so etwa eine Navigation nach seinem persönlichen Erfahrungsstand oder in der gewünschten Sprache. Diese Variationen sind in den VoiceObjects hinterlegt und werden in einem relationalen Datenbanksystem gespeichert. Sie können dort zusammen mit Funktionen wie Fehlerbehandlung oder Hilfe zentral ohne weitere Anpassungen gepflegt werden. Der VoiceObjects Server baut auf Java auf, ist plattformneutral und lässt sich in jede beliebige Infrastruktur einbinden. Darüber hinaus bieten flexible Sprach-Plattform-Treiber die Anbindung oder Erweiterung für Anbieter von Spracherkennungs- oder Synthesesystemen. Die Ausgabe der Informationen lässt sich zudem über diverse Kanäle steuern. Neben Sprache können SMS, MMS, Fax oder E-Mail in den Dialogfluss eingebunden werden.
Das Unternehmen glaubt, mit dieser Softwareplattform an einem der größten Wachstumsmärkte der Zukunft partizipieren zu können. Eine aktuelle Studie der Meta Group macht dem Management Hoffnung: Immerhin knapp 70 Prozent der Kommunikation zwischen Kunden und Unternehmen besteht aus der telefonischen Abfrage einfacher Informationen. Bis 2005 soll ein Großteil dieser Kommunikation via Telefon automatisiert durch Sprachanwendungen realisiert werden, so die Prognose von Luis Praxmarer von der Meta Group. Das Internet sei für diese Kommunikation wegen des vergleichsweise komplizierten und nicht überall verfügbaren Zugangs nur bedingt geeignet. Dialogsysteme in natürlicher Sprache seien dagegen mittlerweile so ausgereift, dass man sie nicht mehr sofort von der Kommunikation mit einer realen Person zu unterschieden vermag.
Sprachanwendungen werden derzeit vor allem zur Steigerung der Servicequalität bei gleichzeitig reduzierten Kosten eingesetzt. In den USA führte die durch Technik getriebene Begeisterung über Einsatzmöglichkeiten von Sprachtechniken vor allem zum Angebot von Services analog zum Internet -- bis hin dazu, sich komplette Webseiten am Telefon vorlesen zu lassen. In Europa, insbesondere Deutschland, treiben dagegen Anwendungen zur Kundenbindung und Kostenreduzierung den Einsatz voran. Zudem werden neue Geschäftsmodelle erprobt, die Sprache als zentrales Element für Unterhaltung oder Spiele nutzen. (Jörg Birkelbach) / (jk)