MobilCom-Chef wehrt sich gegen France Telecom
Entweder stehe France Telecom zu den vertraglichen Verpflichtungen und finanziere den UMTS-Start, oder er steige als Gesellschafter aus, erklärte Gerhard Schmid.
Der Vorstandschef des Telefonkonzerns MobilCom, Gerhard Schmid, will im Streit mit seinem Großaktionär France Telecom in diesem Jahr eine Entscheidung herbeiführen. Dazu will er auf den Verträgen mit den Franzosen beharren. Bei der Präsentation der MobilCom-Jahresbilanz bestätigte der MobilCom-Gründer, dass er ein Klärungsverfahren zur Nutzung einer Put-Option eingeleitet habe. Nach dem Gesellschaftervertrag mit France Telecom/Orange gibt es verschiedene Möglichkeiten, eine Option zum Abstoßen des eigenen Aktienbesitzes auszuspielen. Laut Schmid könne diese Option entweder genutzt werden, wenn France Telecom gegen den Vertrag verstoße oder die beiden Hauptgesellschafter sich nicht einigen können.
"Es gibt nur schwarz oder weiß", erklärte Schmid. Entweder stehe France Telecom zu seinen vertraglichen Verpflichtungen und finanziere den UMTS-Start, oder er steige als Gesellschafter aus. "Das ist doch kein Spiel. Ich verantworte mich vor 5.800 Mitarbeitern und tausenden von Aktionären", polterte Schmid. Nach Aussage des MobilCom-Chefs habe die France Telecom geantwortet, dass der Grund für die Put-Option nicht vollständig vorliege. Das Verfahren, bei dem es sich nicht um ein Gerichtsverfahren handelt, wird sich einige Monate hinziehen. Schmid warf den Franzosen vor, im aktuellen Streit die Presse zu instrumentalisieren. "Wenn die wirklich etwas in der Hand hätten, dann wären sie vor Gericht gezogen und hätten nicht eine öffentliche Schlammschlacht veranstaltet."
Zu den Hintergründen des Streits sagte der MobilCom-Chef, dass die France Telecom aus Sicht des eigenen Portfolios nachvollziehbar handle. Dem Unternehmen ginge es vorrangig um den Abbau der eigenen Schulden. Hier verfolge MobilCom natürlich andere Interessen. "Für uns und unsere Aktionäre ist klar: Nur der schnelle Aufbau des UMTS-Netzes und Einnahmen daraus helfen, die Zinslast aus den großen Krediten abzubauen." Auf der gestrigen Aufsichtsratssitzung sei die Jahresbilanz einstimmig angenommen worden. Einige Vertreter der France Telecom seien sogar anwesend gewesen. Stolz verwies Schmid auf das positive Ergebnis im Kerngeschäft Mobilfunk, Festnetz und Internet. "Wir halten, was wir versprochen haben. Auf der CeBIT waren wir der einzige Anbieter, der UMTS-Bildtelefonie auf dem Handy vorgeführt hat. Laut Vertrag wird Nokia bis Ende September die Endgeräte liefern", sagte Schmid. Im vierten Quartal werde MobilCom somit sein UMTS-Netz in Betrieb nehmen.
Die Reaktion der Börse lässt sich aber bislang einfach umschreiben: Die Worte hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Nach der harschen Kritik von France-Telecom-Chef Michel Bon und der Vorstellung der MobilCom-Bilanzzahlen war der Kurs der MobilCom-Aktie am frühen Vormittag bereits um über 11 Prozent eingebrochen. Trotz der heftigen Worte Schmids fiel das Papier weiter: Zeitweise war der Kurs um fast 15 Prozent abgesackt und lag gegen Mittag mit einem Minus von über 13 Prozent bei 14,70 Euro. (tol/c't) / (jk)