Siemens mit guten und schlechten Neuigkeiten
Siemens macht mehr Gewinne und kann mehr Handys verkaufen als erwartet; in der defizitären Netzwerksparte aber werden weitere 6.500 Stellen abgebaut.
Etwas scheu sind die Siemens-Oberen angesichts der aktuellen Konjunkturprognosen schon geworden: Zwar konnte der deutsche Elektronik-Riese im zweiten Quartal mit den Geschäftszahlen die Erwartungen übertreffen, über den weiteren Verlauf des Geschäfts wollte man aber keine detaillierten Prognosen abgeben. Immerhin verkaufte Siemens dank gestiegener Nachfrage nach Mobiltelefonen im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2001/02 8,3 Millionen Handys. Im Vorjahreszeitraum waren es 6,9 Millionen, im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres -- in dem das Weihnachtsgeschäft zum Tragen kam -- 9,0 Millionen. Siemens konkurriert inzwischen mit Samsung um den dritten Platz unter den weltweiten Handyherstellern. An der Spitze steht Nokia, gefolgt von Motorola.
Der Gewinn stieg stärker als von Analysten erwartet. Das Ergebnis nach Steuern kletterte verglichen mit dem Vorjahr von 578 Millionen auf 1,28 Milliarden Euro. Im ersten Quartal des laufenden Jahres hatte der Gewinn nach Steuern bei 538 Millionen Euro gelegen. Jedoch sind in dem Ergebnis des zweiten Quartals Einnahmen in Höhe von 561 Millionen Euro durch den Verkauf von Infineon-Anteilen enthalten. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) belief sich auf 919 Millionen Euro; im gleichen Vorjahresquartal betrug das EBIT 922 Millionen Euro, im Vorquartal 487 Millionen Euro.
Besonders erfreut zeigte sich Siemens unter anderem über die Sparte Information and Communication Mobile (ICM). Der Bereich konnte nicht nur gute Handy-Absätze vorweisen, sondern auch ein EBIT von 44 Millionen Euro; in der gleichen Periode des Vorjahrs waren es noch 6 Millionen Euro. Ganz anders sieht es dagegen bei der defizitären Netzwerksparte Information and Communication Networks (ICN) aus. Hier fiel erneut ein Verlust vor Steuern und Zinsen, und zwar von 158 Millionen Euro. Im Vorjahr lag der Gewinn unter Einbeziehung von 40 Millionen Euro Sondererträgen bei 50 Millionen Euro. Um ICN wieder in die schwarzen Zahlen zu bringen, will Siemens in diesem Bereich einen verschärften Restrukturierungskurs fahren und nochmals 6.500 Arbeitsplätze streichen. Zuvor hatte Siemens für diese Sparte bereits 10.000 Arbeitsplätze abgebaut.
"Angesichts des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds sind wir insgesamt zufrieden mit unserem Ergebnis", meinte Siemens-Vorstandsvorsitzender Heinrich v. Pierer. "Trotz des schwierigen Umfelds hat die Mehrzahl der Bereiche seine Ergebnisse verbessert. Aber wir sind uns der Herausforderungen, die vor uns liegen, sehr wohl bewusst." Die Zahlen und die vorsichtigen Äußerungen v. Pierers überzeugten jedenfalls erst einmal die Investoren: Während der Dax zu Beginn des Handels an der Frankfurter Börse bis 10 Uhr 1,10 Prozent verlor, legte das Siemens-Papier in der gleichen Zeit um 3,68 Prozent auf 65,94 Euro zu. (jk)