Zehn Jahre Forschungsgemeinschaft Funk
In den zehn Jahren ihres Bestehens hat die Forschungsgemeinschaft Funk e.V. mehr als 80 Projekte zur Erforschung der biologischen Wirkung hochfrequenter Wellen gefördert.
Die Forschungsgemeinschaft Funk e.V. (FGF) war 1992 auf Initiative des Bundesministeriums für Post und Telekommunikation gegründet worden, als mit der zweiten Mobilfunkfunkgeneration (GSM) die massenhafte Verbreitung von Handys einsetzte und sich in der Bevölkerung, wie es hieß, "undifferenzierte Ängste" vor noch unbekannten Wirkungen der elektromagnetischen Strahlung verbreiteten. Zur Gründung einer Ressortforschungseinrichtung des Bundes konnte sich der damalige Postminister Wolfgang Bötsch jedoch nicht durchringen. Mit der Forschungsgemeinschaft Funk aber seien, so Bötsch, "alle Interessen tatsächlich einmal unter einen Hut gebracht gebracht worden".
Die FGF verfolgt nach eigenen Angaben das Ziel, mögliche gesundheitliche Wirkungen elektromagnetischer Felder auf den Menschen und die Umwelt zu untersuchen und für eine sachbezogene Information der Öffentlichkeit zu sorgen. Die 55 Mitglieder des eingetragenen Vereins setzen sich aus den einschlägigen Funknetzbetreibern und Industrieausrüstern zusammen; dazu gehören aber auch das Bundesministerium für Wirtschaft und das Schweizer Bundesamt für Kommunikation (BAKOM), Hochschuleinrichtungen von der Fachhochschule Deggendorf bis zur TU Aachen, sowie Organisationen wie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Deutsche Amateur-Radio-Club (DARC) und die Polizei-Führungsakademie Münster.
"Wir stehen in dem Dilemma", konzediert FGF-Vorsitzender Eike Bär, "dass unsere Mitglieder natürlich auch wirtschaftliche Interessen haben". Gleichwohl sei die Unabhängigkeit der Arbeit durch das Anlegen streng wissenschaftlicher Kriterien an die Untersuchungen gewährleistet. Seit der Gründung hat die FGF mit insgesamt 11,3 Millionen Euro mehr als 80 Studien in Auftrag gegeben. Auf der Festveranstaltung zum zehnjährigen Bestehen fasste Professor Roland Glaser von der Humboldt-Universität Berlin den Erkenntnisstand so zusammen:
"Wir kennen Effekte und Wirkungsmechanismen elektromagnetischer Felder, auch solche nicht thermischer Art, die jedoch nicht im Bereich von Intensitäten greifen, denen der Bürger durch das Handy, geschweige denn den nahen Sendemast ausgesetzt ist." Auch epidemiologische Studien, also statistische Untersuchungen des Auftretens von Krankheiten in Verbindung mit einer möglichen elektromagnetischen Belastung der Bevölkerung, lieferten bisher keine verlässlichen Daten, "sei es, dass es eben nichts zu liefern gibt, sei es, dass der Zeitraum der Erfassungen zu kurz und der Umfang der Kohorten zu klein sind".
"Eines wissen wir jedoch mit ziemlicher Sicherheit", erklärte Glaser: "Groß im Vergleich zu anderen Umweltnoxen, denen der Mensch im technisierten Zeitalter ausgesetzt ist, kann der gesundheitliche Einfluss elektromagnetischer Felder auf den Menschen nicht sein, so er überhaupt existiert, sonst wäre er schon nachgewiesen".
Die FGF will jedenfalls ihre Arbeit fortsetzen. Der Schwerpunkt soll, so der FGF-Vorsitzende Bär, künftig auf epidemiologischen Langfriststudien und Untersuchungen zu den möglichen Auswirkungen des neuen Mobilfunksystems UMTS liegen. Die Festschrift zu 10-Jahres-Feier der FGF ist nun im Internet als PDF-Datei erhältlich. (Richard Sietmann) / (anw)