Die vier neuen IT-Berufe in der Praxis

Die 1997 neu eingeführten IT-Berufe haben sich bewährt, lautet das Fazit einer Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung. Im Detail gibt es aber auch deutliche Kritik.

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Von
  • Angela Meyer

Die 1997 neu eingeführten vier IT-Berufe Fachinformatiker, IT-System-Elektroniker, IT-System-Kaufmann und Informatikkaufmann haben sich bewährt. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Trotz Nachlassen des Booms in der IT-Branche ist die Nachfrage nach nach den neuen Berufen immer noch ungebrochen -- bei den Jugendlichen ebenso wie bei den Betrieben. 2001 stieg die Anzahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge gegenüber dem Vorjahr nochmals um 12 Prozent, sodass jetzt in den IT- und Medienberufen zusammen 60.000 Ausbildungsplätze bestehen.

Wie ist die IT-Branche mit der inhaltlichen Ausgestaltung der IT-Berufe zufrieden? Sind Korrekturen erforderlich? Müssen die Ausbildungsordnungen überarbeitet werden? Mit der Studie "Evaluation der neuen IT-Berufe" ist das BIBB Fragen nach Akzeptanz und Umsetzung der neuen IT-Berufe nachgegangen: 600 Betriebe mit über 1000 Auszubildenden wurden befragt und ergänzende Fallstudien durchgeführt. Danach treffen die Ziele und Inhalte der neuen IT-Berufe bei den Betrieben auf breite Zustimmung. Eine Novellierung der vier Berufe halten sie überwiegend nicht für notwendig. Die Berufe müssten sich "in Ruhe" entwickeln; eine Änderung störe den Aufbau von Ausbildungsplätzen und führe zu Verunsicherungen bei den Unternehmen.

Auch dem neuen Prüfungskonzept wird zugestimmt. Die Betriebe räumen allerdings ein, dass es Probleme bei der praktischen Durchführung und Umsetzung gibt. Sehr kritisch beurteilt wird der Prüfungsteil "ganzheitliche Aufgaben". Das Ziel, über ganzheitliche Aufgaben die Fähigkeit zu übergreifendem Denken und zur Lösung berufstypischer Aufgaben zu ermitteln, werde nicht erreicht. Kritisiert wird hier sowohl die Aufgabenstellung, die nicht etwa komplexe Sachverhalte sondern vielmehr nachschlagbares Detailwissen abfrage, als auch die Menge der Aufgaben, die den vorgegebenen Prüfungszeitrahmen sprenge. Der Unterricht in der Berufsschule muss nach den Ergebnissen der Studie verbessert werden. Bemängelt wird die zu geringe Zahl kompetenter Lehrkräfte, das niedrige Anspruchsniveau und der dürftige Umfang der Ausbildungsinhalte im Berufsschulunterricht.

Daneben informiert die Studie auch über die allgemeine Entwicklung der IT-Berufe. So seien die "alten" Ausbildungsberufe Mathematisch-technischer Assistent und Kommunikationselektroniker für die Betriebe zunehmend weniger interessant; ein neuer Nachfrageboom entwickelt sich statt dessen beim neuen Beruf Fachinformatiker. Abiturienten sehen die vier Berufe als Alternative zum Studium: Mit Ausnahme des Berufs IT-System-Elektroniker weisen die Berufe einen Abiturientenanteil von etwa 50 Prozent auf. Nicht gelungen ist es, junge Frauen für die IT-Berufe zu interessieren: Der Frauenanteil liegt -- je nach Beruf unterschiedlich -- zwischen fünf Prozent bei den IT-System-Elektronikern und 30 Prozent bei den IT-System-Kaufleuten. Zwei Drittel aller Ausbildungsverhältnisse sind in der IT-Branche angesiedelt. Ein erhebliches Potential an neuen Ausbildungsplätzen scheint in den IT-Anwendungsbranchen zu liegen: Auf dem Arbeitsmarkt werden in diesen Branchen die meisten freien Stellen angeboten. Seit gut zwei Jahren gibt es nicht nur vier, sondern fünf neue IT-Berufe. Der 1999 eingeführte IT-Beruf Informationselektroniker ist ein Handwerksberuf, der mit den anderen vier IT-Berufen konkurriert und ebenfalls gute Arbeitsmarktchancen bietet.

Eine Zusammenfassung der gesamten Evaluationsergebnisse zur Akzeptanz und Umsetzung der neuen IT-Berufe in die Praxis sowie weitere Texte zur Konzeption und Entwicklung der IT-Berufe und den mit ihrer Einführung verbundenen Problemen hat das BIBB jetzt veröffentlicht. Die von Hans Borch und Hans Weißmann herausgegebene Broschüre "IT-Berufe machen Karriere" ist zum Preis von 16,50 Euro zu beziehen beim W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG, Postfach 10 06 33, 33506 Bielefeld, Tel. 0521/911 01-11, Fax: 0521/911 01-19, E-Mail: service@wbv.de. (anm)