Börsenmanipulation mit einer Netzente

Der Mitteilungsdienst Internet Wire ist erneut auf einen Hoax hereingefallen.

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Von
  • Torge Löding

Erneut hat es ein Hoaxer geschafft, eine gefälschte Unternehmensnachricht über den Mitteilungsdienst Internet Wire zu veröffentlichen. Vor zwei Jahren hatte ein Nachrichtenfälscher auf diesem Weg eine Meldung über den Netzwerkspezialisten Emulex publiziert und damit den Aktienkurs manipuliert. Die aktuelle Meldung bezog sich auf das Pharma-Unternehmen Cel-Sci und verhalf dem Kurs des Wertpapiers zu einem kurzen Hüpfer. Mit der Verbreitung der Fake-Nachricht, derzufolge das Unternehmen einen 520-Millionen-Dollar-Deal in Japan ergattert haben sollte, habe Cel-Sci nichts zu tun, sagte ein Firmensprecher gegenüber US-Medien. Umgehend habe der Vorstand die US-Börsenaufsicht SEC eingeschaltet.

Internet Wire machte unterdessen einen Mitarbeiter für den kurzen Freiflug der Netzente verantwortlich -- er habe sich nicht an die gewöhnliche Prozedur zur Überprüfung der Nachrichtenquelle gehalten. "Es ist ganz schön schwierig, diesen Kram aufzuhalten. Aber wir überprüfen, ob es weitere Sicherheitsmaßnahmen gibt, die wir ergreifen können", zitiert Dow Jones Newswires Jim McGovern den CEO von Internet Wire. Zweimal haben nach seiner Darstellung Mitarbeiter des Mitteilungsdienstes am vergangenen Sonntag erfolglos versucht, die Meldung vor Veröffentlichung von Cel-Sci bestätigt zu bekommen. Der anschließende "Rückruf" eines angeblichen Mitarbeiters, der den Sachverhalt bestätigte, habe dem Internet-Wire-Mitarbeiter dann genügt.

Dass die US-Gerichte beim Thema Kursmanipulation keinen SpaĂź verstehen, zeigt das Urteil, das im August vergangenen Jahres gegen den Emulex-Hoaxer gesprochen wurde. Der kurze SpaĂź brachte ihm 44 Monate Haft ein. (tol)