Emtec mit Liquiditätsproblemen
Mitarbeiter und Führungskräfte des angeschlagenen Speichermedienherstellers wollen auf einen Teil ihres Gehalts verzichten.
Mit einem teilweisen Gehaltsverzicht wollen Mitarbeiter und Führungskräfte des angeschlagenen Speichermedienherstellers Emtec dem Unternehmen zu mehr Geld verhelfen. Ein von Firmenleitung und Betriebsrat geschlossener Solidarvertrag sehe vor, dass beide Gruppen auf diese Weise insgesamt fünf Millionen Euro zu einem Finanzierungsplan beisteuerten, teilte die einstige BASF-Tochter Emtec Magnetics GmbH am Freitag in Ludwigshafen mit. Das unter Liquiditätsproblemen leidende Unternehmen will in diesem Jahr insgesamt 30 Millionen Euro sparen.
Als Gründe für den finanziellen Engpass nannte Emtec Kosten für den Abbau von 600 Stellen im vergangenen Jahr sowie notwendige Investitionen. Zudem habe Emtec unter dem gestiegenen Ölpreis und der Konsumflaute gelitten. Emtec gehört nach eigenen Angaben mit 2700 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 730 Millionen Euro im Jahr 2001 (2000: rund 766 Millionen Euro) weltweit zu den größten Herstellern von Speichermedien. Dazu zählen neben Audio- und Videokassetten auch Bänder für Großrechner, DVDs und CDs.
Das Finanzierungskonzept sieht unter anderem vor, dass die Mitarbeiter dem Unternehmen fünf Prozent ihres Jahresentgelts abtreten. Leitende Angestellte sollen auf 7,5 Prozent verzichten, die Geschäftsführer auf einen zweistelligen Prozentsatz. Bei den ausländischen Töchtern sollen vergleichbare Maßnahmen umgesetzt werden. Zusätzlich 11 Millionen Euro will Emtec mit dem Eintreiben von Forderungen gewinnen. Einsparungen in Produktion, Marketing, Vertrieb und Verwaltung und der Abbau von Lagerbeständen sollen je sieben Millionen Euro erbringen.
Von den 600 abgebauten Stellen entfielen 200 auf die deutschen Werke München und Willstätt (Baden-Württemberg), der Rest auf das Ausland, sagte Emtec-Sprecher Johannes Lerch. Ein weiter reichender Abbau sei nicht geplant. Angaben zum Jahresüberschuss für 2001 gebe es nicht, da der Abschluss noch nicht fertig sei. Im Jahr 2000 hatte Emtec einen Überschuss von rund 23 Millionen Euro erzielt. Im Jahr davor war noch ein Verlust von rund 9,2 Millionen Euro angefallen. Das Unternehmen war 1997 von der BASF verkauft worden und gehört inzwischen der Londoner Versicherung Legal & General Ventures. (dpa) / (anw)